PDF Usability III
Wenn schon PDF, dann bitte mit Gateway-Sitemaps
Jakob Nielsen konstruktiv: Nach der letzten reißerischen Alertbox (das Monster aus der schwarzen Lagune: deutsch/englisch) kommt in seinem aktuellen Beitrag nur noch der Titel im selben Stil daher: Gateway Pages Prevent PDF Shock.
Leider geht er nicht darauf ein, was Webworker dafür tun können, das PDF an sich benutzerfreundlich zu erstellen. Auch Robert McDaniels mittlerweile zweiter Einwand wird geflissentlich ignoriert. In einem allgemein gehaltenen Schlusssatz wiederholt Nielsen lediglich seine Empfehlung, PDF nur für den Druck zu verwenden.
Nielsen schlägt diesmal einen wesentlich ruhigeren Ton an und verfasst einen konstruktiven Artikel: Eingangs- oder Gateway-Seiten für jede einzelne PDF-Datei sollen die User darauf hinweisen, dass der nächste Klick das ungeliebte Format öffnen wird. Spare your users the misery of being dumped into PDF files without warning. Create special gateway pages that summarize the contents of big documents and guide users gently into the PDF morass. (Nein, sprachliche Entgleisungen kommentieren wir hier diesmal nicht.)
Der Artikel erinnert noch einmal in aller Deutlichkeit daran, was User wissen wollen: dass es sich um eine PDF-Datei handelt, wie groß sie ist, wieviele Seiten sie umfasst und was in ihr steckt. Das ist natürlich nichts Neues und für Webworker banal. Aber es ist gut, dass erneut darauf hingewiesen wird - Routine führt häufig zu Nachlässigkeit. Zu oft entdeckt man erst beim Blick auf die Statuszeile, dass beim Klick auf den unscheinbaren Link ein PDF aufgerufen wird; zu oft ist es dann schon zu spät, um eine Entscheidung getroffen zu haben.
Alle PDF-Dateien sollten laut Nielsen nicht direkt, sondern über eine Gateway-Seite referenziert werden. Außerhalb des Gateways sollte kein Link direkt auf eine PDF-Datei verweisen. Man kann diskutieren, ob das Sinn macht oder nicht einfach ein Klick zuviel ist. Man könnte ja schließlich den Link zum PDF mit einem kurzen, aussagekräftigen title-Text unterlegen, eventuell sogar mit einer eigenen CSS-Klasse definieren.
Nichtsdestotrotz gefällt mir die Gateway-Idee sehr gut. Ich würde allerdings weniger für jedes PDF ein eigenes Gateway anlegen, sondern mich eher für ein PDF-Inhaltsverzeichnis entscheiden, eine PDF-Sitemap sozusagen (Suchmaschinen lieben Sitemaps). In dieser Sitemap werden alle PDF-Dateien (getrennt nach Screen- und Print-Optimierung) mit Zusammenfassungen, Detailhinweisen und Links zu ihren jeweiligen alternativen HTML-Versionen aufgeführt; Inbound-Links springen per Anker direkt zu den jeweiligen Zusammenfassungen. Eine Robots-Anweisung à la "index,nofollow" in den Metatags kann das Gateway in den Index bringen, aber nicht die PDF-Dateien selbst.
Wer PDF-Dateien anbietet, sollte möglichst alle Inhalte auch in HTML veröffentlichen - PDF-Dateien sollten lediglich als zusätzliches Angebot verstanden werden. Ist dies der Fall, gibt es keinen Grund, seine PDF-Dateien von Suchmaschinen, insbesondere Google, indexieren zu lassen. Zwei Einträge in der robots.txt schaffen schnell Abhilfe:
User-agent: * Disallow: /pdf/ User-agent: Googlebot Disallow: /*.pdf$
Gerade wenn man nach speziellen oder wissenschaftlichen Themen sucht, ist es erstaunlich, wie hoch der Anteil an gefundenen PDF-Dateien mittlerweile ist. Die von Google in HTML konvertierte Alternativ-Version bietet sich zwar für das schnelle Durchsuchen an, bringt allerdings nicht gerade die beste User Experience mit sich. Es kann also (zumindest für die ersten Googlehupfs) strategisch sinnvoll sein, PDF-Dateien von den Suchergebnissen auszuschließen. Das klappt ganz hervorragend, indem man im Suchfeld zusätzlich zum Keyword
-filetype:pdfeingibt.
Bei Thorsten Zoerner gibt's übrigens die einfache Anleitung dazu, wie man mit ASP oder PHP u.a. für PDF-Dateien den "Datei speichern unter"-Dialog erzwingen kann. So wird die direkte Anzeige im Browser verhindert. Und wer selbst das gerade heruntergeladene PDF in HTML oder XML konvertieren möchte, kann mit PDF2HTML bestens bedient sein.
PDF Usability - Aschenputtel PDF: Zehn kleine Empfehlungen
PDF Usability II - FollowUp: Adobes Antwort auf Nielsens Unfug
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Kommentare
Wenn du Nielsen vorwirfst, eine 'Brille aufzuhaben' (i.e. parteiisch zu sein), dann musst du deine eigene Objektivität was .pdfs angeht zumindest nochmal auf den Prüfstand legen.
Nielsens Seite dreht sich um usability von webseiten, nicht um generelle Bewertungen von Dateiformaten. Wenn ich mir die Liste der pros anschaue die der von dir zitierte Robert McDaniels anführt, dann kann man die unkommentiert nicht so stehen lassen:
http://www.planetpdf.com/mainpage.asp?webpageid=2916
- Regulated Electronic Forms
In den meisten Fällen sind für online-formulare die von HTML gebotenen Funktionen absolut ausreichend. Dennoch mag es für einen Bruchteil von ganz speziellen Seiten tatsächlich besser sein, ein solches .pdf Formular zu erstellen. Das einzige Argument, welches ich überhaupt gelten lassen würde. Allerdings habe ich bisher nur ein einziges Mal einen Fall erlebt wo ein pdf als Formular verwendet wurde. (Und das hätte man ohne weiteres durch ein HTML-Formular ersetzen können).
- Inclusion of 3rd person materials or non-HTML formats
Das heisst ja eigentlich nur Bequemlichkeit für den Anbieter. Ändert nichts daran, dass es für den User trotzdem besser wäre es für HTML neu zu ordnen/strukturieren/präsentieren. Oder man benutzt etwas in der Art von DocBookXML.
- Accessibility
Dazu wurde an and Stelle in den Kommentaren ja schon was gesagt. Wenn man die Realität der zZ verwendeten Reader-Versionen anschaut, dann kann das Argument nicht wirklich überzeugen. Und ansonsten muss man abwägen, was man ggü. HTML gewinnt und was man verliert. IMHO eine Minus-Bilanz.
- Document Security
IMHO kein Argument. Authorisierung kann man zum einen auch serverseitig durchführen, zum anderen ist die Sicherheit die pdfs bieten ohnehin löchrig.
- Offline access
Offline-Access habe ich auch bei jeder gespeicherten Webseite. Dabei werden idR auch Bilder und Stylesheets mitgespeichert. Das Schöne ist, dass es sogar ohne Bilder und Stylsheets noch wunderbar funktioniert. :)
In der Summe sehe ich immer noch keinen trifftigen Grund welchen Mehrwert mir PDF-Dokumente als User im Netz bringen sollen; Ich kenne aber aber sehr wohl die ganzen damit verbundenen Ärgernisse.
Marcus: Vielleicht tut es der Diskussion ja gut, wenn du mal ein paar Seiten zeigst, die PDFs benutzen bei denen du der Meinung bist, dass der Einsatz der PDFs mehr Vor- als Nachteile bietet und warum ein "Re-Authoring" als HTML-Dokument des Inhalts schlechter abschneiden würde. :)
Schönen Gruß
Hallo Sencer,
ich verstehe nicht, was du willst. Entweder liest du meine Beiträge und meine Kommentare nicht oder du hast irgendein Bild von mir, das ich nicht nachvollziehen kann.
> Wenn du Nielsen vorwirfst, eine 'Brille aufzuhaben' (i.e. parteiisch zu sein), dann musst du deine eigene Objektivität was .pdfs angeht zumindest nochmal auf den Prüfstand legen.
Ich werfe Nielsen gar nichts vor. Über parteiisch oder nicht brauchen wir nicht zu reden; sein Beratervertrag mit Macromedia und die Streitigkeiten zwischen Macromedia und Adobe sind da IMHO aussagekräftig genug.
> Nielsens Seite dreht sich um usability von webseiten, nicht um generelle Bewertungen von Dateiformaten. Wenn ich mir die Liste der pros anschaue die der von dir zitierte Robert McDaniels anführt, dann kann man die unkommentiert nicht so stehen lassen:
> http://www.planetpdf.com/mainpage.asp?webpageid=2916
Das tut zumindest als Kommentar zu diesem Beitrag überhaupt nichts zur Sache; ich erwähnte lediglich, dass Nielsen nicht darauf eingeht, weil ich vor einigen Tagen dazu etwas geschrieben hatte.
[ lauter korrekte Bemerkungen gesnippt, die hier aber nichts zur Sache tun ]
> Marcus: Vielleicht tut es der Diskussion ja gut, wenn du mal ein paar Seiten zeigst, die PDFs benutzen bei denen du der Meinung bist, dass der Einsatz der PDFs mehr Vor- als Nachteile bietet und warum ein "Re-Authoring" als HTML-Dokument des Inhalts schlechter abschneiden würde. :)
Sencer, zum dritten und allerletzten Mal: Nirgendwo vergleiche ich PDF mit HTML. Nirgendwo habe ich geschrieben, dass PDF gegenüber HTML Vorteile hätte.
> Schönen Gruß
Ebenso schöne Grüße zurück
Hallo Markus,
>ich verstehe nicht, was du willst. Entweder liest du meine >Beiträge und meine Kommentare nicht oder du hast irgendein >Bild von mir, das ich nicht nachvollziehen kann.
wenn ich die Beiträge hier ansonsten nicht interessant fände würde ich weder lesen noch kommentieren. ;)
Ich "will" auch gar nichts. Ich fand nur, dass Nielsen mit seinem Artikel durchaus recht hatte, und dass es allgemein wichtig war die (leider) zunehmnde Nutzung von .pdf im online Bereich neu zu überdenken.
> Nirgendwo habe ich geschrieben, dass PDF gegenüber HTML
> Vorteile hätte.
Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass du eine Contra-Position zu Nielsens Meinung bezogen hast, du also meinst, dass PDFs durchaus ihre Berechtigung (für online/Bildschirm-Präsentation) auf Webseiten haben.
Nichts für Ungut.
Sencer, danke für die Klarstellung. Ich beziehe nicht einfach Contra, weil mir danach ist oder weil ich einer Person gegenüber voreingenommen bin. Ich habe überhaupt immensen Respekt vor Nielsen speziell und vor Menschen mit Erfahrung allgemein. Generell bewerte ich Erfahrung sehr hoch. Generell finde ich, dass Nielsen oft recht hat. Generell legt er allerdings in den letzten Jahren ein teilweise sehr dubioses und unsachliches Verhalten an den Tag, was das Durchsetzen seiner Meinungen betrifft. Nur ein Beispiel: Vielleicht erinnerst du dich an die Macromedia-Flash-Usability-Tests aus dem letzten Herbst: fast 50 untersuchte Flash-Applikationen, in einzelnen Fällen reagierten null [0] Personen auf die Flashs, Probanden verzweifelten an den Flashs, ignorierten sie aktiv, bis man sie "zwang", die Funktionen korrekt zu nutzen. Nielsen lobte daraufhin Macromedia über den grünen Klee.
Letzten Endes meine ich weiterhin, dass viele (nein, nicht alle) PDF-Probleme von den Erstellern erzeugt werden. Ich bin der Meinung, dass PDFs ihre Berechtigung haben. Aber niemals für sich allein, und erst recht nicht als HTML-Ersatz, sondern lediglich als zusätzliches Angebot. Oben im Beitrag erwähne ich ja sogar, wie man Suchmaschinen vom PDF-Spidern abhält, PDFs aus Google-Ergebnissen ausschließt und verweise auf Thorstens Anleitung zum Erzwingen des "Speichern unter"-Befehls. Und zwar u.a. deshalb, weil mich Michael Preidel schon in den Kommentaren zu meinem ersten Beitrag von der Problematik der Browsereinbettung überzeugt hat. Natürlich sollte man die Nutzung von PDF überdenken; ich sage nicht, dass du unrecht hast. Dazu sollte mein "Artikel" mit all den Kommentaren schließlich beitragen.
Gerade entdeckt: Wer weitere Argumente gegen Adobes PDF benötigt, wird vielleicht bei Jörg Kantels Schockwellenreiter und im Dr. Web-Weblog inspiriert. Dort habe ich über einen Link auch Das Gelbe Lexikon entdeckt. Wär' das nicht was für ein Wiki?
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