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Usability-Normen

Genormte Qualität: die ISO-Standards

Jens Jacobsen hat auf contentmanager.de einen interessanten dreiteiligen Beitrag veröffentlicht, indem er einige der für Usability relevanten Usability-Normen vorstellt, die von der ISO verabschiedet wurden. Hier nur einige, aber nicht unwichtige Ergänzungen, wenn man über ISO-Normen redet, die Usability und Accessibility betreffen.

Das Akronym ISO bezieht sich auf die 1946 gegründete International Organization for Standardization. Ihre internationalen Gremien verabschieden Normen bzw. Standards in allen technischen Bereichen. Hierzulande ist das Deutsche Institut für Normung (DIN) seit über 50 Jahren der ISO angeschlossen.

ISO/TR 16982: Usability-Methoden

Völlig unterschlagen hat Jacobsen die gerade mal zwei Jahre alte ISO/TR 16982. Sie ist betitelt mit Ergonomics of Human-System InteractionUsability Methods Supporting Human-Centred Design. Hier werden die Ansätze aus ISO 9241-10 und 9241-11 (Leitsätze und Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit) und ISO 13407 weitergedacht. Die 16982 richtet sich damit vor allem an Projektmanager, indem sie diesen eine Hilfestellung bietet, selbstinformierte Entscheidungen über den Einsatz von Usability-Methoden und Verfahren zu treffen, wie sie in ISO 13407 beschrieben werden.

ISO 14915 – Software-Ergonomie für Multimedia-Benutzungschnittstellen

Hier sind die Teile 1 bis 3 relevant. Software-Ergonomie für Multimedia-Benutzerschnittstellen Teil 1 nennt sich in der deutschen Fassung EN ISO 14915-1:2002 und behandelt Gestaltungsgrundsätze und Rahmenbedingungen. EN ISO 14915-2:2003 erschien ein Jahr später und befasst sich mit der sogenannten Multimedia-Navigation und Steuerung. Die EN ISO 14915-3:2002 geht auf die Auswahl und Kombination relevanter Medien ein.

Die von Jens Jacobsen genannte ISO/IEC 9126 – Software Engineering – Product Quality ist übrigens identisch mit Qualitätsmerkmalen und Leitfaden der DIN 66272 Informationstechnik – Bewerten von Softwareprodukten. Auch die von ihm erwähnte DIN ISO/IEC 12119 ist identisch mit ISO/IEC 12199:1994.

Bald neuer Usability-Standard

Bleibt noch zu erwähnen, dass derzeit ein neuer Usability-Standard in Arbeit ist: Als derzeitiger Arbeitstitel ist ISO 23973 Software Ergonomics for World Wide Web User Interfaces im Umlauf, der meines Wissens zum jetzigen Zeitpunkt im Standardisierungsprozess Stage 30 durchläuft (Committee Stage; der Committee Draft wird bewertet und verfeinert). ISO 23973 greift die Grundgedanken der ISO 13407 auf (die vor allem nutzerorientierte, iterative Gestaltung interaktiver Systeme: human-centered Designprozesse) und richtet sich vor allem an Web-Entwicklerteams (und damit gleichermaßen an Konzepter, Designer, Programmierer, Projektmanager und Usability-Spezialisten).

ISO 23973 stützt sich auf ein Referenzmodell, welches den Webdesign-Prozess in drei sogenannte Domänen aufgliedert, die sich gegenseitig bedingen: Design-, Evaluations- und Prozess-Domäne. Letztere bezieht sich auf die nutzerorientierten Design-Prozesse wie in ISO 13407 beschrieben. Die Evaluations-Domäne beinhaltet den kompletten Werkzeugkasten rund um Verfahren, Methoden und Instrumente wie Qualitätssicherung und Usability-Testing. ISO 23973 selbst konzentriert sich in erster Linie auf die Aspekte der Design-Domäne bzw. die unterschiedlichen Levels im Designprozess:

  1. Ziel, Zweck und Strategie
  2. Content und Funktionalität
  3. Navigation und Interaktion
  4. Präsentation und Mediendesign

Gedanken zu Barrierefreiheit und Zugänglichkeit (Accessibility) finden sich übrigens nicht in ISO 23973 (Update 2005: Zukünftig wird der Standard ISO 9241-151 heißen). Auch hier ist nämlich eine baldige Erweiterung im Standard ISO 16071 zu erwarten: Ergonomics of Human-System Interaction/Guidance on Software Accessibility for Human-Computer Interfaces (derzeit aktuell: ISO/TS 16071:2003; Update 2005: zukünftig ISO 9241-171).

Fazit: Um benutzerfreundliche Websites und Applikationen zu entwickeln, ist eine Normierung mit Sicherheit nicht per se notwendig. Letzten Endes ist vor allem die Berücksichtigung des Nutzungskontexts als Schnittstelle zwischen Anbieter und Nutzern wichtig – denn neben der Benutzerorientierung vergessen Usability-Experten gerne die Ziele und Vorgaben des Anbieters. Hier tragen die genannten Normen allerdings erheblich dazu bei, organisatorische, strukturelle und konzeptionelle Unsicherheiten zu überwinden und nicht nur methodische Fehler zu vermeiden. Denn dem Zufall überlassen sollte man Usability sicherlich nicht.
[ via AccessBlog ]

Marcus Völkel | 21.10.04 | Usability 


 

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...Fehler sowie konzeptionelle Unsicherheiten zu vermeiden.Fernab traditioneller Methoden und Normen (in dem Zusammenhang drängt sich ISO 13407 förmlich auf, wobei sich XU mehr als Philosophie denn Verfahren darstellt) verlangt Usability2.0 ...
(03.07.2006 | 0:59)


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