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Links, Lesbarkeit und Dopamine

Wann sind lauter Links zuviel?

Kleine und große Merkwürdigkeiten gibt es in Dirk Olbertz' Blog zu lesen. Mir ist dort etwas derart merk-würdiges begegnet, dass es nicht unerwähnt bleiben darf.

Viele gute Weblogs verweisen in Massen auf viele andere gute Weblogs. Ellenlange Seiten werden so gespickt mit einem Haufen Links. Das ist gut, kann man sagen; das bringt Abwechslung, das gibt Haltepunkte, das eröffnet ein Paradies an Möglichkeiten und Wegen hinein ins Irgendwo.

Ein Plädoyer gegen Links?

Verweise sind toll und können den Horizont erweitern. Aber viele Links im Fließtext stören die Lesbarkeit (Readability) und erschweren die Konzentration (Aufmerksamkeitsfokus). Denn schließlich sind es in aller Regel nicht nur ein paar Links, die nach »draußen« verweisen. Links oder rechts, je nach Geschmack, säumen noch Mengen an Menü-Links, Empfehlungs-Links, Referrer-Links, Blogroll-Links, Archiv-Links, Beitrags-Links, Kategorien-Links und überhaupt jene Texte, um die es eigentlich geht.

Die wiederum werden sozusagen unterstrichen (irgendwie müssen textlastige Seiten schließlich designed werden) von weiteren Links: Ein Link zum Autor (wahlweise per Mail oder direkt zur Website), zu den Kommentaren, zum Permalink (dieser Link heißt Link? Aha...) und zum Trackbacken. Und das alles zu guter Letzt und ganz standardgerecht noch in drei verschiedenen Farben, je nach Zustand: Normal, aktiv, besucht... und wenn ein Link was auf sich hält, dann hovert er auch voller Vorfreude auf das, was hinter ihm verborgen steckt. Der ganz normale Text wartet schließlich mit einer fünften Farbe auf. Im Worst-Practice-Scenario haben wir dann noch Farben für h1-, h2-, h3-Überschriften in petto... (Wenn jetzt noch Midi-Files erklingen und Marquees zu blinken beginnen, dann befindet man sich mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit auf einer Seite wie dieser hier.)

Dopamin für den Aufmerksamkeitsfokus

Nein, das ist kein Plädoyer gegen Links. Ganz im Gegenteil. Wir alle lieben gute Links, die uns täglich neu zum ultimativen Content führen. Aber wo ist die Grenze? Wann sind lauter Links zuviel? Wie weit reicht die kognitive Belastbarkeit und Flexibilität eines Weblogleserhirnstammneurons? Welche Links werden ausgeblendet, weggefiltert – und was hat das mit Dirk Olbertz' Blog zu tun?

Dirks Weblog unterstützt mit einem kleinen Kniff nicht nur die Lesbarkeit, es fördert darüber hinaus sogar Dopamine und andere Neurotransmitter. Die unterstützen unsere Wahrnehmung beispielsweise beim Erkennen von Mustern und bei der Entscheidungsfindung, ob und welche Informationen überhaupt relevant sind. Dopamine spielen außerdem eine hochtrabende Rolle im Belohnungssystem unseres Gehirns. Tun also gut.

Kleiner Kniff, große Wirkung

Nix Hover
Vorher, ohne Mausberührung...

Jeder Beitrag in seinem Weblog befindet sich in einem div-Container, der bei Mausberührung dezent hovert. Das ist nichts Neues, zugegeben. Statt jedoch gleich global die Farbe, den Hintergrund oder gar die Schrift zu verändern, werden hier angenehmerweise nur die Links hervorgehoben. Den dabei auftretenden Effekt sollte man selbst an sich beobachten.

Hover
... und nachher, bei Mausberührung.

Die sogenannte selektiv gerichtete oder schwebende Aufmerksamkeit kann Titel, Untertitel und Texte scannen, ohne von (zu diesem Zeitpunkt irrelevanten) Informationen wie Links aufgehalten oder abgelenkt zu werden. Sobald ein Text intensiver gelesen wird und sich die Aufmerksamkeit auf die Suche nach weiterführenden Links fokussiert, werden alle Links im betreffenden Bereich hervorgehoben, sobald man diesen mit der Maus berührt. Benötigte Informationen auf Abruf, Konzentrationsperformance par excellence.

Solche Sensitizer habe ich so noch nie gesehen – finde sie aber so angenehm und vom Textdesign her auch ästhetisch, dass es hoffentlich nicht das letztemal war.

Marcus Völkel | 23.06.03 | Usability 


 

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Kommentare

Die Beschreibung des Effekts habe ich übrigens im wurch.log gefunden. Unter Linuxart.com findet sich übrigens noch ein anderer schöner Effekt - leider funktionieren beide nicht im IE 6 :-(

schrieb am 23.06.2003 | 9:10


Vielen Dank für die Links! Der Vollständigkeit halber kann das CSS für den Sensitizer-Missing-Links-Effekt also nun
Stuart Robertson zugeschrieben werden.

schrieb Marcus Völkel am 23.06.2003 | 10:18


ich hatte von dem "trick" schon mal gelesen und auch eine demo gesehen. aber wie damals so auch jetzt bei herrn olbertz blog: tut sich bei mir nüscht. angesehen mit ie6 auf win98.

schrieb am 23.06.2003 | 15:30


oops, sorry, glatt die kommentare übersehen. steht da ja schon alles.

schrieb am 23.06.2003 | 15:31


Stimmt: Im IE 6 muss man die Links "suchen". Bestätigung einer uralten Erkenntnis: Irgendwas ist immer. Und daher wieder ein Grund mehr, auf so schöne Browser wie Safari, Mozilla, Firebird und ähnliche umzusatteln ;-)

schrieb Marcus Völkel am 23.06.2003 | 15:48


Scheint aber mit den IE6 nicht zu funktionieren, da habe ich normales *Drüberfahr.und.nach.Link.such* - Spiel. Leider.

schrieb am 23.06.2003 | 17:11


oh da könnte ich doch grade den beitrag von roland zitieren. sorry.

schrieb am 23.06.2003 | 17:16


Wie's gemacht wird steht übrigens hier

schrieb am 24.06.2003 | 17:13


Ohje, die vorangegangenen Kommentare habe ich erst gesehen, nachdem das Kommentar gepostet habe. Wurde ja schon geschrieben.

schrieb am 24.06.2003 | 17:15


Da habe ich mir wohl selbst ein pMachine-gemachtes Usability-Problem eingeschleppt ;-) Ursache: Wenn man auf "weiterlesen" geklickt hat, kam man bislang auf eine eigene Seite, auf der man zwar kommentieren konnte, aber die bisherigen Kommentare nicht sichtbar waren. Das ist nun anders: Bei Klick auf "Kommentare" gelangt man auch wirklich direkt zu den Kommentaren, bei Klick auf "Weiterlesen" erscheinen am Ende des Artikels alle Kommentare zum Beitrag. Damit das nicht nochmal passiert ;-)

schrieb Marcus Völkel am 30.06.2003 | 11:39


 

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