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Typografie im Web

Gedanken zum Blocksatz in Webtexten

Michael Preidel veröffentlicht einen schönen Beitrag über Web-Typografie: Nächster Fehler: align="justify" sprich: Blocksatz. Was in einer Tageszeitung möglicherweise noch Sinn macht, ist im Browser völlig fehl am Platz. Dort gibt es nämlich keine automatische Silbentrennung.

Danke, Michael! Man kann das gar nicht oft genug wiederholen (wer mich kennt, grinst jetzt sicher von einem Ohr zum anderen). Neulich ist mir das wieder ganz besonders aufgefallen.

Man macht sich Gedanken um Usability. Man macht sich Gedanken darüber, ob man externe Links in neuen Fenstern öffnet oder nicht. Man macht sich Gedanken über Standards und validen Code. Warum fragt mal niemand nach der Lesbarkeit?

Blocksatz im Web: Gegen die Informationsverarbeitung

Nur weil es align="justify" gibt, ist sein Einsatz noch lange nicht sinnvoll und ästhetisch: Blocksatz in Webtexten ist fast unsinnig; align="justify" verbietet sich für Fließtexte im Web.

Wolfgang Beinert (arrogant, aber gut) schreibt in seinem Typolexikon über den Blocksatz: Automatisch generierter Blocksatz ist unästhetisch und schlecht lesbar. Um einen geschlossenen und harmonischen Blocksatz zu erzeugen, muss dieser grundsätzlich mikrotypographisch nachbearbeitet werden.

Blocksatz im Web
Negativbeispiel Akademie für Publizistik

Ganz abgesehen davon, dass die Lücken in den Wortzwischenräumen den natürlichen Lesefluss unterbrechen, das überfliegende Scanning unnötig erschweren und die Lesegeschwindigkeit verlangsamen: Blocksatz nimmt dem Auge in längeren Zeilen auch die wichtigen Haltepunkte und wirkt dadurch sehr schnell langweilig und monoton. Monotonie ist zwar ein wichtiges Element, um Floweffekte zu erzeugen. Der Bildschirm ist aber keine Zeitung oder ein Roman, wo ich mal meinen Finger an die Stelle setzen kann, an der ich meinen Blick abwende, um einen Schluck Kaffee zu trinken. Da hilft es auch nicht, wenn man stur nach jeder fünften Zeile einen Absatz macht.

Usability fängt bei den Inhalten an, nicht bei der Typografie. Welche Schriftart wie, wo und wann eingesetzt wird, sollte Ergebnis konzeptioneller und gestalterischer Überlegungen sein, die auf Basis der Inhalte gemacht werden (auch wenn man im Web sehr beschränkt ist, was den Einsatz von Schriften betrifft). Kurz: Wer was zu sagen hat, sollte das möglichst lesbar tun.

Fazit: Flattersatz rules!

Nur weil es machbar ist, muss es noch lange nicht schick und sinnvoll sein: Blocksatz im Web ist weder schön noch benutzerfreundlich. Wer etwas zu sagen hat und gelesen statt überlesen werden möchte, kann in sich gehen und sich fragen, ob Blocksatz im Fließtext nicht lediglich ein weiteres Layoutelement ohne Informationstransfer ist (eure Inhalte sind zu gut für Blocksatz!). Denn als optischer Aufmerksamkeitsverstärker bietet sich align="justify" durchaus an, beispielsweise in Zitaten, Infoboxen oder ähnlichem. Aber nicht in laufenden Texten, längeren Beiträgen oder gar Kommentaren.

Typografie im Web (bitte nur mit CSS; HTML ist eine Textauszeichnungssprache) macht sehr viel Spaß, wenn man sich als Webautor ein wenig näher damit beschäftigt. Es gibt viele Möglichkeiten, Texte schöner zu machen; line-height, letter-spacing and friends warten auf ihren Einsatz. Verena Segerts Typografie im Web, Christoph Päpers Typografie für Webautoren, Web Page Design for Designers und typografie.info bieten dafür einen schönen Einstieg.

Marcus Völkel | 26.07.03 | Usability 


 

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...im Web Marcus Völkel darüber, dass Blocksatz im Web böse ist --- Lesen [0] Kommentare (0x angesehen) von Thomas | Jul 26, 03 | 9:25 pm | [0] TB | [0] PB 2003 MetaBlog - Ein Service von BlogHaus.net | Impressum | ...
(26.07.2003 | 21:26)


Kommentare

Ha, das Thema hatte ich doch erst gestern. Typischer Fall von Synchronizität. :)

http://groups.google.com/groups?selm=oprsv0ejswvrepip%40news.opera.no

schrieb am 27.07.2003 | 2:18


Moe, zuallererst einmal: Alles ist relativ, weil individuell. Ja, so wie du deine Inhalte organisierst, mag es vielleicht auf den ersten Blick ordentlicher aussehen. Bei deiner Struktur ist das ja auch nicht unsinnig: Du veröffentlichst viele sehr kurze Einträge, fügst oft Zitate ein, gestaltest die Seite über Überschriften, Blockquotes und Einrückungen. Kritisch wird es mit Blocksatz bei längeren Fließtexten - oder auch, wenn man die Schriftgröße nur eine Stufe größer einstellt (ich habe in deinem Blog sonst über 90 Zeichen pro Zeile auf dem Mac): Man soll den Text ja nicht anschauen, sondern lesen. Dann würdest du den Augen und der Informationsverarbeitung deiner Leser mit Flattersatz einen großen Gefallen tun.

Interessant ist, dass du die Kommentare im Flattersatz belässt, ob bewusst oder intuitiv :-) Lesbarkeit ist auch eine Frage der Motivation: Deine Leser kennen und schätzen dein Weblog und haben eine hohe Motivation, dich zu lesen; zudem liest man ja in der Regel nur die neuesten Beiträge, da fällt der Nachteil nicht so stark auf. Neue Leser werden dadurch jedoch gebremst.

schrieb Marcus Völkel am 27.07.2003 | 10:39


Vielen Dank für den Beitrag. Gutes Material zur Argumentation mit den ganz großen Experten.

Was mich allerdings stutzig macht ist «Das Layout dieser Website basiert auf Cascading Stylesheets und Javascript. Bitte schalten Sie deshalb Javascript ein und laden Sie die Seite erneut.» auf http://www.qxm.de/index.php?e=/web/20030726-120330.text

Javascript für das Layout?

schrieb am 27.07.2003 | 15:36


Tja, hättest du mich direkt gefragt, hätte ich dir auch eher antworten können... ;)

Javascript für das Layout deshalb, weil ich mangels vernünftiger CSS Unterstützung des Internet Explorers eine CSS Weiche einbauen musste - und die funktioniert dummerweise nur mit Javascript. Wer also mit ausgeschaltetem Javascript meine Seiten aufruft, sieht sie u. U. mit dem falschen Stylesheet.

In diesem Eintrag ist das ganze auch mit Bild erklärt.

schrieb am 28.07.2003 | 8:40


@Michael: Das mit dem JavaScript ist so 'ne Sache, die du umgehen kannst. Hier zum Beispiel gibt es die meines Wissens umfangreichste Sammlung von Workarounds, wie sich einzelne Browser(-Versionen) teilweise gezielt von einem CSS ausschließen lassen. Allesamt JavaScript-frei. Die beschriebenen Wege nutzen intelligent die Lücken, die Browserhersteller in der CSS-Implementation "versehentlich" hinterließen. Microsoft passieren derlei Versehen ja (in diesem Fall) angenehm häufig ;-)

schrieb am 28.07.2003 | 19:30


Achim, Matthias und alle anderen CSS-Browserweichen-Bug-Interessenten: Bei Michael geht die Diskussion weiter.

Diese work-arounds sind mir wohl bekannt, aber eigentlich dürfte es für Browser Programmierer nicht allzu schwer sein, die CSS Standards richtig zu implementieren – offensichtlich ist es das aber für Microsoft.

Weiterlesen, weiterdiskutieren ;-)

schrieb am 29.07.2003 | 11:43


Ich halte Blocksatz auch im Web für sinnvoll. Eine Einschränkung wurde weiter oben bereits genannt: es muss eine gewisse Zeilenlänge vorhanden sein (was auch bei Printmedien der Fall ist).
Das Beispiel bei "esse est percipe" genügt diesen Anforderungen nicht.
Die Zeilenbreite ist zu gering, um einen positiven Effekt zu erzielen. Klar, man kann es ja immer so einrichten, dass etwas negativ rüberkommt. Das ist hier gelungen.

schrieb am 29.07.2003 | 21:44


Markus, das ist eine interessante Stellungnahme. Kannst du auch erklären, warum du Blocksatz im Web für sinnvoll hältst? Oder wo? Ich hatte ja schon sinnvolle Einsatzbeispiele genannt; aber es hört sich für mich so an, als meintest du Blocksatz im Fließtext? In Printmedien existiert die automatische Silbentrennung; die durch die Ausschlüsse entstehenden Lücken können zudem ausgerichtet werden. Das bekommt man im Web auch durch sehr lange Zeilen nicht hin. Gerade im Web, wo das Leseverhalten ein ganz anderes als auf Papier ist, sollte Blocksatz meiner Meinung nach vermieden werden (und wird es ja auch mit gutem Grund: Oder wird irgendwo Blocksatz eingesetzt, wo man Wert darauf legt, gelesen zu werden?).

schrieb am 30.07.2003 | 9:09


 

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