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Gratwanderung Business Blogs

Ein Monat Usability Inside

Robert Basic fragt: Sind Blogs eine geeignete Werbeform? [...] Allerdings: Wenn alle Unternehmen einen Blog verwenden und dazu die Inhalte PR-mäßig professionalisieren, geht sowohl die Authentizität wie auch das Besondere verloren. Dann bringen Blogs an Mehrwert kaum etwas. Es ist also wie immer eine diffizile Gratwanderung.

Auf seine Bitte wollte ich einen kurzen Kommentar schreiben à la: Im Großen und Ganzen sehe ich es genauso wie Robert. Weil's dann aber mal wieder ein wenig mehr wurde, blogge ich meine Antwort auf seinen Beitrag im MEX-Blog lieber hier.

»Ein Blog ist, was man daraus macht«, schreibt Nico Lumma in seinem heutigen Beitrag Blogg dir deine Meinung: »Die Themen bietet das Leben, man muss sie nur bloggen.« Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – vor allem, da es hier wesentlich kompetentere Blogger gibt als mich, die sich auch schon viel länger mit der Materie ernsthaft beschäftigen. Zudem tut sich gerade in diesem Bereich viel mehr, als ich persönlich momentan erfassen könnte.

Kann ein Marketing-Blog glaubwürdig sein?

Ich glaube auch, dass in Weblogs ein großes Marketingpotenzial liegt. In meinen Augen ist Deutschland aber noch nicht so weit für Business Blogs. Wer weiß denn schon, was ein Weblog ist? Vielleicht hat das auch was mit der hiesigen Mentalität zu tun. Gerade der Reiz des Authentischen, Individuellen, des Persönlichen, das ist doch das, was hiesige Unternehmen abschreckt vor Weblogs: Bloß nicht persönlich werden, bloß keine Abmahner auf sich aufmerksam machen, bloß nicht als Spinner, Geeks oder Nerds gelten (»Außerdem passt das gerade nicht in unsere Marketingstrategie. Aber natürlich beobachten wir den Markt genau.«). Schon bei der Betrachtung so mancher Intranets wundert man sich, dass Knowledge Management überhaupt richtig geschrieben wird ;-)

In Bereichen wie Guerilla-Marketing o.ä. ist sicher noch eine große Nische frei für Weblogs. In Deutschland werden die aber kaum ausreichende Credibility erlangen; einfach, weil die Blogosphäre hier zu kritisch und zu klein bzw. überschaubar ist. Allein meine Logfiles sprechen Bände: Ein Riesenanteil Mac-User, Safari-Browser spielen im oberen Drittel mit, Internet Explorer weit unter 60 Prozent, fast die Hälfte kommt über den RSS-Feed rein. »Joe User« hat die Blogs noch nicht wirklich entdeckt.

Playground Weblog?

Was mein Blog betrifft: Ich sehe es weder als Akquisitions-, Marketing- oder PR-Instrument. Am Anfang war es ja nur ein Test ohne Ziel, Rumspielen mit diversen Blog-Softwares, Dazulernen, Horizont erweitern. Ich kann dort Sachen reinschreiben, die dürfte ich niemals auf unserer Website veröffentlichen. Umgekehrt vermeide ich es aber auch so weit wie möglich, Internas im Weblog zu behandeln, wenn sie nicht von allgemeinem Interesse sind. Wenn es mir gelingt, meine Leser für Usability zu interessieren oder gar zu sensibilisieren, dann ist meine persönliche Befriedigung erfüllt.

Ich kann in meinem Weblog einfach Spaß haben, so wie ich ihn schon seit mittlerweile fast einem Jahrzehnt im Web habe: Früher habe ich täglich Links per E-Mail verschickt – schau mal hier, lies mal da, kennst du schon. Damit ich bei denen nicht im Spamfilter lande, habe ich jetzt ein Weblog. Und dass das noch eine Menge Leute mehr lesen und das sogar ganz nett und verlinkenswert zu finden scheinen, ist ein wunderschöner Nebeneffekt und hat mich zu der Entscheidung veranlasst, das Weblog weiterzuführen. Und ich bestehe darauf, dass es mein persönliches Weblog ist. Usability ist halt mein Lieblingsthema. Neue Kunden gewinnen werden wir damit höchstwahrscheinlich nicht.

Aber vielleicht wird ja der ein oder andere potenzielle Kunde auf unser kleines Unternehmen und seine Website aufmerksam. Liest dort die Fachartikel. Bestellt den Newsletter. Hat ein positives Bild von uns. Fragt unsere Kunden, was sie denn von uns halten. DANN greift das Marketing.

Ein Monat Usability Inside!

Es ist mittlerweile nun mal alles komplexer geworden. AIDA ist tot. Und ich bin mir ziemlich unsicher, ob man aufgrund irgendwelcher Schnellschüsse oder spontanen Weblog-Beiträge, die man so online stellt, Rückschlüsse auf die Qualität dahinter ziehen kann. Spannend ist die ganze Sache allemal. Und ans Herz gewachsen ist sie mir erst recht. Dass mein Weblog erst ein Monat jung ist, hat mich gestern so sehr erstaunt, dass ich das beinahe gebloggt hätte. Aber das war mir dann doch zu banal ;-)

Ich hab den Beitrag schonmal in Trend: Boss-Blogging verlinkt, aber trotzdem: In diesem Zusammenhang ist die Lektüre von Martin Rölls Konferenzbeitrag zur Wiener BlogTalk natürlich ein Must Read: Business Weblogs – Ein pragmatischer Ansatz zur Einführung von Weblogs in mittleren und großen Unternehmen (PDF, 281 kb).

So, Punkt jetzt. Danke für's Mitlesen. Und einen schönen Sonntag noch.


Nachtrag: Seit kurzem gibt es übrigens eine moderierte Mailing-Liste, die von Rick Bruner ins Leben gerufen wurde: »How to Use a Weblog to Connect With Customers«. Nennt sich I-Blog Discussion List.

Marcus Völkel | 13.07.03 | Internes 


 

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Gratwanderung Business Blogs
Kann ein Marketing-Blog glaubwürdig sein?, fragt Marcus Völkel und gibt sene Sicht der Dinge --- Lesen
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(18.07.2003 | 0:41)

Usability Inside > Weblog >
...der bloggenden Experten besser als die Blogger selbst? Genau das ist nämlich die Antwort auf meine Frage, ob man aufgrund irgendwelcher Schnellschüsse oder spontanen Weblog-Beiträge, die man so online stellt, Rückschlüsse auf die Qualität dahinter ...
(23.07.2003 | 19:42)


Kommentare

Blogs als Werbeform? Blogs mit Marketingpotenzial? Wenn die Frage so weit gefasst ist, würde ich es uneingeschränkt bejahen. Da gibt es dermassen zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Blogs als Homepage-Ersatz für kleine und mittlere Unternehmen? Ja! Blogs im Newsletter- und E-Mail-Marketing? Ja! Blogs im Guerilla- oder viralem Marketing? Ja! Service-Blogs... Event-Blogs... Live Blogs? 3 x Ja! Aber auch ganz klassisch, immer dann, wenn Unternehmen eine Voice haben, etwa einen Unternehmer, der für seine Marke steht (Hipp, Joop, Darboven...)

schrieb am 13.07.2003 | 18:33


"Und ich bin mir ziemlich unsicher, ob man aufgrund irgendwelcher Schnellschüsse oder spontanen Weblog-Beiträge, die man so online stellt, Rückschlüsse auf die Qualität dahinter ziehen kann. Spannend ist die ganze Sache allemal. Und ans Herz gewachsen ist sie mir erst recht"

Ja moi, was anderes sollte denn mehr Zeichen für Kompetenz und Expertentum sein, als der Einblick in Deine täglichen Artikel, die Art wie Du schreibst, wo Du "hin verlinkst", welche Schlüsse Du ziehst, etc... was gibt es Besseres, als sich mit einem einzulassen, der das Thema Usability auch als Hobby weiterführt?

Das alles und noch einiges mehr "überführt" einen als Schwaller mit Inhaberschaft einer Firma oder als absoluter Profi mit Inhaberschaft einer Firma. Ich sagte ja, es ist eine Gratwanderung. Ray Ozzie Blog macht Laune gelesen zu werden, weil der Mann ab und an seine Genialität wieder mal durchblitzen läßt. Auch wenn man nicht wüßte, daß es sich um einen absoluten Superstar der IT Branche handelt, merkt man und riecht man den Duft der Professionalität und Expertise, der da durch sein Blog weht.

Sprich?
Blogs sind mE ein gefährliches Instrument und nur etwas für Unternehmer mit Rückgrat & Know How.

schrieb am 13.07.2003 | 23:27


Gefährliches Instrument? Somit ist also alles, was zur Transparenz des Marktes beiträgt, gefährlich? Gefährlich für die Konsumenten keinesfalls. Wer in seinem Weblog Mist schreibt, der produziert auch sonst Mist, egal, was der ach-so-eloquente New Business Mitarbeiter dem Kunden beim Fischen eines Auftrags erzählt hat.

Nicht nur der Markenartikel-Konsument, sondern auch das webdienstleistungsuchende Unternehmen verlangt inzwischen nach Authentizität des nachgefragten produkts, ergo des Dienstleisters. Wenn jemand halten kann, was versprochen wurde, so ist das in unserer Branche in Deutschland immer noch die Ausnahme, finde ich.

Ich will mehr Unternehmer mit Rückgrat und Know-How! Alle anderen sollen die Marktkräfte ausradieren. Oder was will uns Robert sagen?

schrieb am 16.07.2003 | 11:53


es ist wie immer im Lebbe: machste was gut, spricht keiner drüber, machste es schlecht, hauts voll rein. So salopp und nicht anders können auch Commercial Blogs (zB zu Promoting Zwecken für die eigene Firma) nach hinten losgehen. Möglicherweise weil es der Schreiber nicht so meinte, aber dennoch, oder sich unglücklich ausgedrückt hat etc... Gerade Deine Anspruchshaltung spiegelt doch diese negative Warteposition wider "Wenn jemand halten kann, was versprochen wurde, so ist das in unserer Branche in Deutschland immer noch die Ausnahme, finde ich."

Sorry, aber das ist klassische Besserwisserei. Ich habe mir mal Deine Seite angeschaut und den Spruch "Der /brainfish ist ein Abfallprodukt der täglichen Arbeit als Internet- und Marketingberater. Auf dem Weg zu griffigen Konzepten und funktionierenden Strategien und mit dem wachen Blick für den Markt und die Wettbewerber begegnen mir Informationsschnipsel, die es wert sind festgehalten zu werden" rausgefischt. Ok, soll ich jetzt bissig sein und was dazu sagen, wie platt sich der erste Satzteil anhört und keineswegs authentisch, mit wie wenig Rückgrat gesprochen ... gar Geschwalle?

Ok, fühl Dich jetzt nicht geflamed, ich wollte es bewußt übertreiben (ich weiß schon, was Du uns mit dem Spruch sagen willst ... aber man kann ihn einfach umdrehen wenn man mit einer anderen Erwartunsghaltung rangeht), um darzustellen, wie schwer Anspruch und Realität zusammenzubringen sind, weil eben alle Kunden so überkritisch sind. Als wäre die Welt perfekt und als wäre 95% Leistungsqualität Schrott, nur weil die restlichen 5% das 11x negativ wiegen. Natürlich gibt es massig Dienstleister, die verdammt gut sind und eine klasse Qualität auf die Straße bringen. Und es gibt ebensogut viele Dienstleister, die nicht überall perfekt sind, weil sie möglicherweise noch recht jung am Markt sind (<5-10 Jahre).

Was meinst Du, gewinnst Du durch Deinen Fisch Blog an Kompetenz, Branding, Image? Du sagtest ja selbst, daß dies ein Kundenbindungsintrument sei.

schrieb am 16.07.2003 | 15:13


Die Kommunikation ist doch per se immer ein zweischneidiges Schwert. Und dies aus dem einfachen Grund, wie Robert es bereits treffend formulierte, weil der Mensch alles durch die Linse seiner subjektiven Wahrnehmung sieht. Soll heissen, natürlich kann man einen Text so drehen und wenden, dass er eh gegen sich selber spricht, doch ist dies eigentlich das Ziel des Kunden/Users? Einerseits ist bei Business Blogs klar eine gewisse Grundkompetenz an Kommunikationsfähigkeit notwendig, damit der Blog die nötige Professionalität ausstrahlt, jedoch verstehen in potentiellen Kunen die geschriebenen Text höchstens in den seltesten Fällen falsch oder sind denen bereits bei Betrachtung negativ gegenüber eingestellt.

Ich denke also, dass die Diskussion über die Qualität der Texte etwas zu heiss angegangen wird, jedoch stimme ich hier gerne Robert zu, dass man jemandem eher vertraut, wenn er sich auch in der Freizeit mit seinem Job befasst, wie es eben der Markus macht. Passionierten traut man eh immer mehr Qualität und Innovationswille zu als den Von8bis5-UndDannIstFeierabend Leuten.

Ich selber hab erst gerade angefangen zu bloggen, extrem persönlich (kein Business) und verwende auch noch ein Template als Design ;-) aber ein offizielles und kein geklautes *ggg*

schrieb am 18.07.2003 | 8:58


 

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