Newsletter-Kommunikation
Worst Practice E-Mail-Kommunikation
Frisch abbestellt habe ich den VNR-Beratungsletter des Verlags für die deutsche Wirtschaft AG. Warum? Primär deshalb, weil ich mich dort nicht kompetent beraten fühle. Sekundär deshalb, weil man nicht nur mich ärgert, wenn man offenbar keine Ahnung hat, wovon man schreibt. Und drittens, weil deren Newsletter so aussehen, als wären sie frisch mit Outlook Express kammgequotet worden (übrigens ist MS Outlook kein Browser).
Problem 1: Zeilenumbruch erst nach 105 Zeichen zerstört das Layout. Die meisten E-Mail-Programme sind standardmäßig auf einen Zeilenumbruch nach 72 Zeichen eingestellt, und das hat seinen Grund.
105 Zeichen in einer Zeile sind für das menschliche Auge kaum noch angenehm lesbar. Unterschwellig wird mir kommuniziert: »Stellen Sie doch Ihr E-Mail-Programm größer ein oder ziehen Sie das Fenster weiter auf.«

Problem 2: Das ist ein Fehler, den wir selbst in unserem Newsletter machen, wie mir gerade aufgefallen ist. Der Betreff beginnt mit »Ihr VNR-Beratungsletter:...«. Wenn man nach einiger Zeit eine bestimmte Mail heraussuchen möchte, kann das ganz schön kompliziert werden, wenn jede Mail mit demselben Betreff beginnt.
Problem 3: Es wird empfohlen, die E-Mail als Geschäftsbrief anzusehen und sie deswegen zu »einem echten Hingucker« zu machen, damit man »beim Empfänger für Aufmerksamkeit« sorgt. Dabei wird wohl vergessen, dass E-Mails nicht angeguckt, sondern gelesen werden sollen. Manch einer mag sie auch ausdrucken.
Problem 4: Um dies umzusetzen, soll man nur HTML-Mails versenden. Liebe Leute, bitte keine HTML-Mails! Bei den hunderten von E-Mail-Clients kann man nicht wissen, wie die E-Mail beim Empfänger dargestellt wird. Bis zur Darstellung auf dem Rechner übersteht eine E-Mail eine weite Reise. E-Mails sind eben keine gedruckten Werke auf Papier. Zudem werden gerade im Business-Bereich viele HTML-Mails direkt in Nur-Text-Mails umgewandelt (und das ist auch gut so).
Problem 5: Um HTML-Mails zu erstellen, soll man Word oder (noch besser) den Outlook-Express-Briefpapierassistenten benutzen – mit dem können Sie nämlich »Hintergrundbilder und -farben, Schriftarten und Seitenräder auf recht einfache Weise festlegen«. Ich möchte es unbedingt vermeiden, an dieser Stelle bösartig zu werden ;-) Daher kein weiterer Kommentar.
Problem 6: Die HTML-Mails sollen mit Outlook Express versandt werden. Über diese Virenschleuder ist schon genug gesagt worden. Daher kein weiterer Kommentar.
Irgendwie erinnert mich das alles an meinen Nielsen-Beitrag. In seinem Artikel erklärt Nielsen, weshalb die Infofresser eine Website so schnell wieder verlassen. Was steht wohl im nächsten Beratungsletter?
Nielsen erklärt in »Why Google Makes People Leave Your Site Faster«, weshalb Besucher von Websites so schnell verschwinden. Und das, obwohl sie vielleicht ganz kurz davor waren, genau die Seite zu finden, nach der sie suchten! Lassen Sie es nicht so weit kommen, dass Ihre Website so schnell verlassen wird! Ihre Besucher könnten ja das Beste verpassen! Deshalb hier die besten Tricks und Tipps: Maximieren Sie das Browserfenster auf volle Bildschirmgröße! So werden Ihre Besucher nicht von Nebensächlichkeiten abgelenkt. Setzen Sie auf jeder Seite Flash-Intros ohne »Skip Intro« ein! Denn als Erstes müssen Sie ja Aufmerksamkeit erzeugen. Sperren Sie das komplette Interface oder wenigstens den Zurück-Button im Browser! Er bewirkt lediglich, dass die Leute zurück zu Google gehen. Bauen Sie auf jeder Seite genügend Pop-Ups ein! Sie sollten sich so schnell hintereinander öffnen, dass sie auf normalem Wege nicht wieder geschlossen werden können. Setzen Sie der Aufmerksamkeit zuliebe auf möglichst viele bunte, blinkende Banner, und versehen Sie Überschriften mit dem Marquee-Tag, wegen der Aufmerksamkeit! Und falls Ihr Besucher Sie doch verlassen mag: Exit-Pop-Ups nicht vergessen!
Letztendlich habe ich den Newsletter ganz brav abbestellt, so wie ich ihn bestellt habe. Das habe ich nur getan, weil mir auf der Website vollmundig versprochen wurde: Wir bieten Ihnen kompetente publizistische Beratung für Selbstständige, Unternehmer, Freiberufler, Vorgesetzte und alle, die mehr erreichen wollen. Für die deutsche Wirtschaft. Schade. Sic transit gloria mundi.
PS: Mit dem Newsletter wurde u.a. das hier beworben.
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...
Das macht man dort zwar ein wenig ungeschickt, aber nicht unengagiert: Um mir zu beweisen, dass ich nicht der einzige Leser bin, sondern dass sich auch noch knapp dreihundert andere Menschen für den Mittelstand 2003 interessieren, hat man all ...
(15.10.2003 | 21:37)
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