Simplicity is not dead.
Das Klare gegen das Einfache
»Man sollte alles so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher.«
Albert Einstein
Jason Fried schreibt im 37signals-Weblog Signal vs. Noise:
Simplicity is dead. [...] What really matters is clarity. Clarity in visual design. Clarity in copywriting. Clarity in purpose, mission, and statement. Clarity allows someone to »get it« while simplicity only allows someone to »see it«.
Und weil man bei 37signals die Basecamp-Signup-Seite, um die es hier geht, iterativ und nutzerorientiert optimiert, hat man dort die alte Seite durch eine neue Seite respektive Einfachheit durch Klarheit ersetzt. Glaubt man.
Ich halte das für einen Fehler. Aber weil ich die Arbeiten von 37signals kenne, würde ich wetten, dass binnen zwei bis vier Wochen die neue Seite durch eine andere ersetzt wird, die Einfachheit mit Klarheit vereint. Vielleicht verbunden mit einem Statement à la »Simplicity is dead. Not.« Wer wettet dagegen?
Das erinnert mich an Markus Breuer, der sich vor kurzem in gewohnt ausführlich-ausholender Art mit der Balance zwischen Nutzer-Anforderungen und -Fähigkeiten und daraus resultierendem, übersimplifizierten Design auseinandersetzte und dabei auf Andrei Herasimchuks (designbyfire) Please make me think verwies: »Should everything be so damned obvious all of the time?«
In einem aktuellen Kundenprojekt sehen wir uns verstärkt mit dem feinen Unterschied zwischen Klarheit und Einfachheit im Informations-/Interaktionsdesign konfrontiert: Viele User sind frustriert, verärgert oder schieben sich selbst die Schuld zu, wenn sie Informationen nicht sofort finden oder nutzen können. Ebenso viele User sind allerdings mindestens genauso abgeschreckt von komplex dargestellter Information. Der Königsweg, nämlich die Balance zwischen Einfachheit und Klarheit, führt über einen schmalen Grad. Oft wird in dieser Situation der Fehler gemacht, ein als zu komplex bewertetes Erscheinungsbild zu reduzieren – auf Kosten einer klaren Struktur. Ist das ein Teufelskreis?
Was dabei klar wird: Einfachheit ist natürlich nicht tot. Und steht vor allem in keiner Weise gegen die Klarheit. Aber sie geht mit ihr auch nicht (klar und einfach) Hand in Hand.
Simpel sollte nicht mit einfach verwechselt werden, billig nicht mit Effizienz. Nutzer sind keine DAUs. Aus dem Einfachen entsteht Klarheit. Oder?
Ja, ich glaube an die zeitlose Gültigkeit von »Keep it short and simple« (und eben nicht »Keep it simple, stupid!«). Vielleicht ist dies aber auch ein Grundsatz, der zugunsten des Akronyms KISS entstand und eigentlich viel lieber »Keep it short, simple, and clear« hatte heißen wollen (vielleicht ist das aber auch klar zu einfach Binsenweisheit). Und ich glaube an Andreas Borcherts neun Thesen über Das Einfache, der darin vor fast einem Jahrzehnt unter anderem schrieb:
Das Einfache ist nicht das Primitive, das Simple oder Ländliche; vielmehr ist das Einfache ein Produkt des kollektiven Nachdenkens und Entstehens. Somit ist das Einfache das Reifgewordene, die reife Frucht eines meist langen Prozesses.
... was Antoine de Saint-Exupéry im Geiste Einsteins wesentlich pointierter und vor allem prozessorientierter ausdrückt, ohne sich der Worte klar und einfach zu bedienen:
Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann.
Was nicht nur auf Texte zutrifft.
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Durch meinen Beitrag Simplicity is not dead bin ich auf zwei interessante Artikel von Gerd Waloszek (Product Design Center der SAP AG) bzw. einen kompletten Themenbereich »Simplification« innerhalb der ...
(30.12.2004 | 15:22)
blog.genauso.und.anders » Das Einfache
......
(16.01.2005 | 19:00)
Kommentare
Hatte deren blog Eintrag auch gerade gelesen. Stimme hier auch eher dir zu. Zwar ist mir Klarheit wichtiger als Simpelheit (kann man das sagen?), aber man kann es meiner Meinung nach auch nicht einfach so trennen. Damit etwas wirklich klar wird, muss es m.E. (vor allem bei visueller gestaltung) auch simpel sein. Die neue Version bei basecamp ist zwar klarer, könnte aber definitiv einfacher sein. Da sind auf einem zu kleinen Platz zu viele informationen gequetscht.
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