Alles-Tester.de unseriös
Über das Geschäftsgebahren von alles-tester.de (Saphir GmbH)
Wer dieses Blog schon ein wenig länger liest oder sich mein About ansieht, weiß, dass ich für ein Berliner Unternehmen arbeite, das sich auf Usability-Beratung und -Engineering spezialisiert hat (scoreberlin GmbH). In der Natur der Sache liegt es daher, dass wir unter anderem auch Usability-Testing anbieten. Dabei untersuchen wir mit einer bestimmten Anzahl sogenannter Probanden Websites und Software unserer Auftraggeber. Die Probanden erhalten dafür die BVG-Tickets erstattet und eine Aufwandsentschädigung, die höher als der übliche Standard-Nebenjob-Stundenlohn ist.
Um diese Probanden oder Testpersonen zu akquirieren, gibt es unterschiedliche Wege. Mal kommen die Teilnehmer über den Kunden, mal aus der Zweiten Hand, mal werden Fußgänger von draußen reingeholt. Als sich im Frühjahr die Anfragen nach Usability-Tests häuften, stellten wir ein Bewerbungsformular für potenzielle Berliner Probanden online, das ich unter anderem auch hier im Weblog bewarb. Bis Anfang Oktober nahmen wir auf diese Art mehrere tausend Probanden manuell in unserer Datenbank auf. Anschließend nahmen wir das Formular vorläufig vom Netz.
Auch das Arbeitsamt, Zeitungen mit Job-Tipps und sogenannte »Geschäftsidee«-Erzeugnisse berichteten darüber. Ich wunderte mich also nicht, als irgendwann immer mehr Referrer über die Website alles-tester.de zu uns kamen. Wirklich merkwürdig kam mir die Sache erst vor, als sich die täglichen Anrufe bei uns häuften, die explizit nachfragten, ob wir auch »niemandem ein Zeitungs-Abo aufdrücken würden« oder ob den Anrufern etwaige Kosten entstünden.
Also schaute ich mir alles-tester.de ein wenig genauer an. Kein Kontaktformular, kein Impressum, nichts, nur das vollmundige Versprechen, Geld im Schlaf verdienen zu können: »Klingt das interessant für Sie? Geld verdienen im Schlaf, indem Sie z. B. eine neu entwickelte Matratze testen? Dann sollten Sie sich schnell bei uns melden.«
Und wie geht das? Man klickt auf Hilfe: Wie werde ich ein Alles-Tester? und gelangt auf eine Kontaktseite. Dort kann man sich wider Erwarten nicht online bewerben, sondern man solle bitte in die Kleiststraße 35 fahren, dort bei »Alles Tester« klingeln und in die zweite Etage kommen. Spätestens jetzt sollten alle Alarmglocken klingeln, und zwar schrill.
Wie unseriös man dann dort bearbeitet wird, beschrieb sehr ausführlich der Sakemaki-Blogger. Aus leider unerfindlichen Gründen wurde der betreffende Artikel von ihm gelöscht; im Google-Cache ist er noch vorhanden:
Abzocke in Drückermanier! Zeitungsabos oder Vorkasse – Abzocke ohne Ende! [...] Ziel des ganzen ist hier ganz klar und sofort erkennbar eine gute geschulte Bearbeitung der Probanden mit dem Vorwand, man dürfe ja Testmuster behalten und könne sich als Tester registrieren lassen – und jetzt kommts – man müsse lediglich 99 Euro für ein Jahr zahlen. Wenn man das nicht kann, dann gibt es ja diverse Zeitungen, mit den Verlagen würde man ja als Sponsoren zusammenarbeiten, und man könne sich hier auch die Kosten sparen und müsse nur die Zeitungen abonnieren.
So gelangt man dann auf das Blog von Dirk Olbertz, der im Beitrag Abmahnwahn nicht nur über Sakemakis Artikel berichtet, sondern daraufhin (als blogger.de-»Hier zählt deine Meinung!«-Betreiber) eine äußerst merkwürdige Abmahnung der Firma Alles-Tester erhalten hat.
Dirk verlinkt schließlich auf die Verbraucherzentrale Berlin. Dort findet man eine Pressemeldung vom 19. Mai: Als Testperson gesucht, aber Zeitschriftenabonnent geworden:
Zahlung von 99 Euro oder Abschluss eines kostenpflichtigen Abonnements über 24 Monate für eine Zeitschrift als Gebühr für die Schaltung eines Jahresinserats auf der Internetseite www.alles-tester.de Die Firma verpflichtet sich nur zur ordnungsgemäßen und sorgfältigen Veröffentlichung der Daten im Internet. Eine Vermittlung von Unternehmen, die für ihre Produkte Tester suchen, wird nicht versprochen.
Die Berliner Verbraucherzentrale verurteilte dieses Vorgehen als unseriösen Humbug und prüfte daraufhin rechtliche Schritte. Und alles-tester.de ist offenbar schon ein wenig länger bekannt.
Eine weitere Suche in Google führt zu Ärger e.V., einem Forum für Verbraucherschutz und Verbraucherberatung. Dort finden sich zwecks Erfahrungsaustausch Meldungen wie:
ich war vor ein paar tagen bei denen, die haben eine richtige adresse und sich eine schöne altbauwohnung gemietet. hatte die anzeige in einer grossen berliner zeitung gelesen. 99 euro wollen die herren haben, entweder bar oder man schliesst ein 2 jahres abo ab (spiegel, hörzu etc.) und der verlag sponsort dann die 99 euro.
Gestern schließlich veröffentlichte die Kanzlei Sevriens eine Warnung vor Alles-Tester.de und ihrer Muttergesellschaft Saphir GmbH. Jetzt weiß ich auch, weshalb wir vor wenigen Tagen gegen 23 Uhr innerhalb weniger Minuten mehrere hundert Zugriffe auf unser Bewerbungsformular hatten, auf dem wir uns mittlerweile von alles-tester.de ausdrücklich distanzieren:
Vornehmlich wollen die Betreiber von Alles-Tester.de nämlich Geld von den Testern bekommen. Sie verlangen eine Aufnahmegebühr in Höhe von 99 € für den Zugang zu den paradiesischen Tests. Diese Gebühr kann gleich vor Ort durch den Abschluss eines Zeitschriftenabonnements über einen Zeitraum von zwei Jahren geleistet werden. Viele derjenigen, die eine Gebühr oder ein Abo abgeschlossen haben, hörten nie wieder etwas von Alles-Tester.de. BIZZ, das Magazin auf Pro7 mit Stefan Gödde, überreichte der Firma deshalb in der letzten Sendung das legendäre Fass ohne Boden.
Eine gute Wahl.
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Kommentare
Bei dem Pro 7-Beitrag habe ich mich nur gefragt, wie man auf solche Maschen reinfallen kann. Die sind doch seit Jahrzehnten bekannt und verbreitet. Selbst wenn das ganze nicht von Anfang an unseriös wirken würde, würde ich bestimmt kein Geld im Voraus für irgendwas bezahlen, ob das nun "Material" ist, oder hier sogar nur heiße Luft.
Hatte kürzlich die bislang dreisteste Variante davon am Telefon: das Institut für Produktforschung. Testen von Markenprodukten (!!!), die man selbstredend kostenlos nach Hause bekommt. Weil das aber in der Vergangenheit schamlos ausgenutzt wurde, möchte man zunächst einen Obolus in Höhe von x Euro haben, der aber wieder als Gutschein ausgestellt würde. Die Telefonverkäuferin war extrem gut geschult und auf alle Versuche "nein" zu sagen vorbereitet. Ähnliches wird auch bei jiggle.de berichtet und von dort geht es weiter zum Verbraucherschutz-Forum, wo man im Suchformular mal nach Produktforschung suchen sollte.
Aber die meisten Menschen sind leider noch immer zu gutgläubig bzw. die Methoden werden immer dreister.
Ja, wenn Gutgläubigkeit, Naivität, Unerfahrung im Mix mit Verzweiflung und der Hoffnung auf irgendeinen Job auf gut geschulte (»Einwandbehandlung«), dreiste Drücker stoßen, dann wundert es gar nicht mehr so sehr, wie viele Menschen auf solche Maschen reinfallen. Leider. Zum Glück informieren sich immer mehr übers Web und Suchmaschinen wie Google.
Vielleicht ist Google auch so ein Drücker-Verein, der mit digitalen Drückermethoden arbeitet und wir sind alle drauf reingefallen? Matrix 217 quasi ... ;o)
Ich bin froh über diese Info und werde mein Widerrufsrecht geltend machen,sonst wäre ich auch darauf reingefallen.Danke
Danke! Ich war heute dort. Bin über ein Inserat in der Zeitung auf dieser "Firma" gestoßen. Zum Glück habe ich eine Freundin dabei gehabt, da sie auch Arbeitssuchend ist. In dem Moment, als der gute Herr auf die €99 bzw Zeitschriften-abo zu sprechen kam, gingen meine Alarmglocken an. Wenn ich alleine dort gewesen wäre hätt ich mich ziemlich eingeschüchtert und genötigt gefühlt und hätte wahrscheinlich unterschrieben.
Aus der Not eine Tugend machen ist eine Sache, aber aus der Not anderer sich die Taschen füllen eine ganz Andere.
Eigentlich dachte ich, ich wäre nicht ganz so naiv und würde sicherlich nicht auf solche unseriösen, gar skrupellosen Geschäfte-Machern reinfallen. .... Na ja, so viel dazu. Hätt ich diese Seite nicht gefunden und gelesen, dann wär ich womöglich doch noch drauf reingefallen da wir die Unterlagen usw mit nach Hause nehmen durften, um es uns nochmal durch den Kopf gehen zu lassen...also, nochmals ein dickes Dankeschön.
Hallo! Ein dickes Dankeschön an alle Seiten wie diese. Ich bin die Freundin von Christine Vogler. Die "Geschäftsräume" des Saphir-verlages sind ja eher spartanisch eingerichtet und es macht alles den Eindruck, als würde man sich dort auf einen baldigen Auszug vorbereiten.
Der Herr Gallasch, unser Berater, war ein vertrauenswürdiger älterer Herr, der den ganzen Sachverhalt super plausibel erklärte. Bis er auf dieses Zeitungsabo zu sprechen kam... Das kam uns beiden, Chris und mir, doch sehr merkwürdig vor und wir begannen nachzufragen. Die Fragen, die wir stellten, schienen dem guten Herrn gar nicht zu gefallen. Plötzlich war er sehr kurz angebunden und entließ uns mehr oder weniger angesäuert mit dem ganzen papierkram. Alles in allem hat dieses Gespräch auch nur 10 Minuten gedauert. Die meisten vor uns waren bis zu einer halben Stunde drinnen. Ich hoffe nur, dass mehrere Leute diese Seite oder andere mit dem Thema lesen und sich vorab informieren, um nicht in diese Falle zu tappeln.
So long ivonne
Hallo,
ich habe mir nun Deine Seite angeschaut und musste feststellen, dass ich womöglich auch "verarscht" wurde.
Heute war ich bei dieser Agentur gewesen nachdem ich mich telefonisch angemeldet hatte. Ich bin also in diese schnieke Altbauwohnung in der Kleiststr. 35 gefahren und dort erstmal 1 1\2 gewartet bis mich ein netter älterer Herr über die Geld-verdien-Idee aufgeklärt hat. Zuerst fand ich alles toll und spannend:" ja, cool, von Zuhause aus Geld verdienen, quasi beim normalen Gebrauch der Produkte testen, muss also ja fast gar nichts machen und am Ende nur paar Kreuzchen auf´m Formular setzen". Mach ich, dachte ich. Mir wurde dann allerdings mulmig, als ich von dieser 99 € Gebühr gehört habe. Dieses Abo habe ich mir allerdings nicht andrehen lassen, auch habe ich nicht sofort bar bezahlt (zum Glück hatte ich es nicht parat). Dann dachte ich, ok, die wollen ja auch was verdienen, wenn schon die Firmen alle Kosten auf sich nehmen, beginnend mit dem Porto für die Zuschickung über das Produkt selbst bis hin zum Porto für die Formulare und und und. Also hat sich das für mich von selbst geklärt.
Er meinte dann nur, dass ich dieses Geld so schnell wie möglich überweisen solle. Nun mein Problem: ich lese Eure Seite und bin völlig verwirrt. Wenn ich also dieses Formular unterschrieben habe, ein Tester werden zu wollen, das Geld aber noch nicht überwiesen habe, habe ich dann schon etwas verloren? Kann ich diese Zusage widerrufen? Wenn ja: WIE?
Über eine SEHR baldige Antwort würde ich sehr dankbar sein.
Mit freundlichen Grüßen
daniel
Auch mir war vor Monaten die alles-tester-Anzeige in der Zeitung aufgefallen. Trotz der zunächst verlockenden Aussage von 300 - 600 Euro pro Monat mit ein bisschen Produkte-Testen dachte ich mir dann doch bald, da müsse sicher ein Haken sein. Außerdem stand diese Anzeige jede Woche neu in der Zeitung. Wenn das so toll war, warum suchten sie dann immer noch Leute? Zwar wird viel Geld in Marktforschung und Werbung gesteckt, aber sooo viel?
Oder war ich etwa hier die Blöde? Entging mir da doch etwas Interessantes??? Ich beschloss, dort nicht erst anzurufen, sondern den Laden gleich direkt in Augenschein zu nehmen. Das war vor knapp 3 Wochen in der Filiale in Hannover, 3. Stock, soweit ich mich entsinne. Schon im Treppenhaus fiel mir ein Schild auf mit "Saphir-Verlag". Wieso ein Verlag? Ein Verlag bietet Produkttests an?
2/ Ich betrat sehr sparsam + neutral möblierte Räumhlichkeiten mit Anlaufstelle Info-Desk. Dort erklärte ich gleich, falls ich als Eintrittskarte in irgendeiner Form eine Zahlung leisten müsse, wäre die Sache für mich gestorben. Eine Freundin von mir war in einer anderen, aber dennoch vergleichbaren Sache so fürchterlich auf die Nase gefallen. Nein, so sei es nicht. Ich musste dann - lange als Einzige im Warteraum - fast eine Stunde auf ein Informationsgespräch mit einem älteren Herrn warten. Sollte ich damit bereits weichgekocht werden, etwas unterschreiben, damit mein Warten nicht vergebens war? Es kamen dann noch weitere Wartende, aber dann war ich bald an der Reihe. Das rd. 20-Min.-Gespräch verlief so wie oben von anderen geschildert. Genötigt fühlte ich mich nicht. Ich nahm mir die Formulare mit nach Hause zwecks Überlegung, ohne dass irgendein Druck auf mich ausgeübt wurde. Befremdet war ich über die 99,-- E., noch mehr, dass es sich bei der Auswahl der zu abonnierenden Zeitschriften zu 2/3 um Yellow Press handelte.
3/ Es waren dabei praktisch alles "Prinzessinnen-Magazine". Da waren mir die 99,- E. fast schon sympathischer. Die beiden einzigen für mich in Frage kommenden + dort aufgeführten Zeitschriften habe ich bereits - freiwillig - längst abonniert. Dazu hatte ich die ganze Zeit die Verlags-Beschilderung von draußen im Hinterkopf, und wozu brauchten Produkt-Testanbieter Zeitschriften-Abos? Ich ging mit einem sehr misstrauischen Gefühl. Mal sehen, wie lange das Unternehmen hier bleiben wird.
hallo, hier seht ihr nun eine die auf diese masche reingefallen ist. und das kommt mir nun anscheinend teuer zu stehen. selber schuld möge vielleicht einige denken, aber auf hoffnung auf einen job und echt die schnauze voll von absagen habe ich mich trotz skepsis dort beworben und naiv wie sonst nichts alles brav unterschrieben. da ist vor 5 stunden geschehen, HEUTE...und nun stehe ich vor einem abo das mich nicht wirklich interessiert oder die alternative einer Zahlung von 99 euro. das schlimmste: in einer natürlich nur beiläufig, klein und blass gedruckten klausel steht das ich von meinem rücktrittsrecht nicht gebrauch machen kan wenn der vertrag in den Geschäftsräumen der bevollmächtigten Firma geschlossen wurde.
Und das wurde er!!! nun sitze ich hier völlig depremiert und weine um das geld welches ich eh nicht habe da ich zur zeit wieder schülerin bin um mir den weg von der arbeitslosigkeit freizuschaufeln.
mir ist die ganze sache total peinlich, weil ich dachte immer das mir das nicht passieren würde, denn wie blöd muss man denn sein...??? und nun habe ich meine antwort.
ist diese klausel denn überhaupt legal? kann ich vielleicht einfach eine kündigung schreiben und hoffen das die sich darauf einlassenw enn ich nnur mit einem anwalt drohe? ich bin gerade auf der suche nach einer antwort, vielleicht kann sie mir ja einer von euch geben?
ansonsten...schade das ich hier nicht vorher reingeschaut habe
ines
Auch ich bin darauf rein gefallen,leider!Dachte mir kann sowas nicht passieren.Statt Arbeit bekomme ich leider nur regelmäßig meine Zeitung.Wie komme ich da nur raus? Sowas müßte bestraft werden.Warum gibt es keine gesetzliche Strafen für solche Abzocke?Es gibt davon noch mehr Betroffene.
Danke für diese informative Seite. Auch ich entdecke jeden Samstag in der Zeitung die Anzeige: "Allestester gesucht"
In der vergangenen Woche war ich in Hannover und dachte
mir: Schau doch mal ´rein in den Laden! Als ich vor der Tür
stand, verließ mich der Mut und ich nahm mir vor, mich erst
mal im Internet über diese "Firma" schlau zu machen.
Nachdem, was ich bisher gelesen habe, kann ich nur sagen:
"Glück gehabt, altes Mädchen" .
Es ist gemein, dass man Arbeitssuchende, die nach einem
Strohhalm geifen, sooo abzockt.
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