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Nutzlose Usability-Tests

Weg vom Einweg-Testing, hin zu iterativen Feedback-Loops

Mein Reden seit Jahren: Neunzig Prozent aller Web-Usability-Tests sind nutzlos, schreibt AdaptivePath-Gesellschafter Lane Becker diese Woche in einem sehr lesenswerten Artikel (via Schockwellenreiter). Darin erklärt er, dass Web Usability in einen iterativen Designprozess eingebunden gehört und in die Denkstruktur der Entwickler Einzug halten sollte:

»We need to abandon the idea that user testing on the Web is a quantitative process. Focusing on numbers to the exclusion of other data leaves researchers with nothing more than noticeably dubious statements like, "Design A is 5% more usable than design B" (or "90% of all usability testing is useless"). Instead, user research for the Web should delve into the qualitative aspects of design to understand how and why people respond to what has been created, and, more importantly, how to apply that insight to future work.«

Als integrierende Schnittstelle innerhalb eines interdisziplinären Teams aus Programmierern, Designern, Textern und Konzeptionern arbeitet der Usability-Engineer und bringt so Usability mit ihren Methoden, Instrumenten und Verfahren »inhouse«. So machen es mittlerweile immer mehr Unternehmen (darunter beispielsweise Google oder Amazon). [Was auch der Grund ist, weshalb hier so wenig geschrieben wird und ich kaum noch in Berlin bin. Synchronizität: Genau darüber halte ich am kommenden Mittwoch einen Vortrag in Wien. Wer mich übrigens am 23.6. in Wien, am 24.6. in München oder am 28./29.6. in Berlin (DMMK und DMMA) treffen mag, schreibe mir einfach eine Mail.]

Sinnvoll ist das vor allem deshalb, weil Usability-Probleme innerhalb dynamischer Umgebungen immer wieder auftauchen. Da ist es dann gut, wenn man sie nicht nur schnell entdecken, sondern auch umgehend analysieren und beheben kann. Warum soll man erst noch Wochen warten, bis sich genügend Probleme angesammelt haben, um sie dann irgendwo extern im Usability-Lab testen zu lassen? Das führt zum klassischen Kanonen-Spatzen-Syndrom; schnell macht sich Frust breit, weil man gerade einen extrem hohen Budgetanteil für einen Einweg-Test verballert hat, um Probleme zu finden, die man ohnehin schon kennt.

Wichtig ist gutes Design, denn gutes Design berücksichtigt Usability. Wichtig sind verständliche und sinnvoll platzierte Inhalte, denn danach suchen User. Wichtig ist eine einfache, logische und intuitive Benutzerführung, denn zielorientierte Besucher bringen oftmals Ungeduld mit sich. Wichtig ist eine user-zentrierte Informationsarchitektur, eine nachvollziehbare und schlüssige Organisation der Inhalte. Wichtig sind Antworten auf die ganz einfachen Fragen. Wenn in diesen Prozess Expertisen, Beratung, Coaching, Testing-Verfahren und echte User harmonisch und vor allem immer wieder integriert werden: schön.

Wenn es aber so weitergeht, dass Usability-Experten sich aus dem Entwicklungsprozess heraushalten, Psychologen praxisferne Optimierungsvorschläge machen, klassische Marktforschungsansätze den User in Katalogen und Zahlen typologisieren und das Testing zur reinen nice-to-have Abschluss-Qualitätssicherungs-Maßnahme verkommt – dann wird es nicht einmal mehr zwei Jahre dauern, bis keiner mehr dieses schöne Buzzword »Usability« hören geschweige denn lesen will. Und das mit gutem Grund.

Nachtrag: Darf in diesem Zusammenhang nicht fehlen: Didier P. Hilhorsts Artikel Apples and Oranges »über das Spannungsfeld zwischen Usability und Design« (via AccessBlog).

Marcus Völkel | 18.06.04 | Usability 


 

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