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Feuer brennt grün

Grün: Neue Trendfarbe im Screendesign?

Seit dem 6. Januar 2001 lodert Feuer grün. Ebenfalls seit 2001 entgegnet man auch der Rezession designtechnisch am besten mit Neongrün. Im neuen Jahrtausend begeben sich Designer auf die Suche nach neuen Farben und Ausdrucksformen für Leidenschaft, Feuer oder Kreativität – und landen bei Technology, Magic and Outer Space. So ganz allmählich entwickelt sich Neon- oder Alien-Grün in Verbindung mit warmen, dunkel gedeckten Farben zu einem echten Trendsetter. Grün ist nämlich einfach eine großartige Farbe...

Kleine Hommage ans Grün

Grün symbolisiert den triumphierenden Frühling, die Pflanzen, das Leben, die immer wiederkehrende Erneuerung. Im Feng-Shui steht Grün für die Natur, Wachstum und Kreativität. Ihre emotionale Bedeutung liegt in Offenheit, Freiheit, Ruhe und Großzügigkeit – Grün ist die ausgleichendste und beruhigendste Farbe.

Grün ermöglicht den angenehmen Blick aufs Wesentliche. Schultafeln sind nicht weiß, nicht schwarz, sie sind grün. Billardtisch-Bezüge sind grün; der Kontrast zu all den anderen Farben der Kugeln kommt so am besten heraus. In unserem Kulturkreis bedeutet Grün Entspannung und Gesundheit – ins Grüne zu fahren verbinden viele Menschen mit Erholung und Wochenende und Kurzurlaub.

Grün als Erfolgsfaktor

»This was our most successful product launch ever, and Odopod was instrumental in making it happen.«
Executive Producer Tony Lopez über den Macromedia MX-Launch

Dreamweaver MX

Warum aber hatte bis Anfang 2001 niemand das Grün für sich entdeckt?

Grün hatte bislang eine sehr stark politisch gefärbte Konnotation. In den Medien und Verlagen gab es in den 80er und 90er Jahren eine regelrechte Grün-Vermeidungs-Strategie; auf Titelblättern tauchte Grün de facto kaum bis gar nicht auf. Grün war bislang der Hoffnung vorbehalten – und als Farbe der Vegetation bediente sich die Werbebranche der Farbe hauptsächlich für die Vermarktung ökologischer Produkte. In Kroeber-Riels Farbassoziationstabelle von 1996 steht Grün mit sechs Prozent an letzter Stelle der kühlen Farben (hinter Blau, Silber, Weiß und Grau).

Die Zuordnung von Farben ist bei Menschen teilweise sehr unterschiedlich, was vor allem in ihrer jeweiligen Erfahrung und im kulturellen Kontext begründet liegt. Kalte Neonfarben in Kombination mit warmen, dunkel gedeckten Farbtönen kamen in unserer bisherigen User Experience kaum bis gar nicht vor. Das änderte sich erst mit Xbox, Dreamweaver & Co. – und ist somit auch gar nicht weiter wunderlich, dass der Trend aus einem fremden Kulturkreis zu uns herüberschwappte.

Technology, Magic and Outer Space

Am 6. Januar 2001 erklärt Microsofts Chef-Designer Horace Luke in einer Pressemitteilung das Design der Xbox und warum darin grünes Feuer brennt:

Luke compares [the raised »jewel« on the top of the console] to a porthole on a furnace, nuclear submarine or atomic collider. »You can see the fire inside burning,« Luke explained.

In der realen Welt sei Feuer rot. Aber mit allem, womit die Xbox in Verbindung gebracht werde, lodere das Feuer grün: ein radioaktives, außerirdisches Neongrün. Die neongrünen Kabel sollen dabei wie Alien-Venen wirken.

Xbox.com

Um den Kult herauszufordern, lüftet Luke ein Geheimnis, nämlich dass die Farbe sich im Grunde von selbst gewählt hatte:

Green has always been the color associated with technology, magic and outer space, Luke explained. It also was the only color marker he had in his knapsack when he was drawing early designs for Xbox.

Warum gerade Grün?

Farben haben eine entscheidende Aufgabe bei der Wahrnehmung. Das flächige oder kontrastig eingesetzte (Neon-)Grün dient nicht nur physiologisch bedingter Aufmerksamkeitssteigerung. Die Aufmerksamkeit ist u.a. auch deshalb so stark, weil diese Farben bislang kaum eingesetzt worden sind. Immerhin haben über acht Prozent der männlichen Bevölkerung eine Rot-Grün-Schwäche, womit wir wieder bei den Usability-Mythen angekommen sind: Oftmals wird darauf verwiesen, auf Rot und Grün zu verzichten. Die Vermeidung der Rot-Grün-Kombination, ein hoher Kontrast und eine stärkere Farbzumischung können hier Wunder wirken.

666mph
Martin Rollmanns 666mph.com

Grün ist laut Herings Gegenfarbentheorie (mit Rot, Gelb und Blau) eine der Urfarben. Unter anderem kommt Hering in seiner Theorie zum Ergebnis, dass die Aktivierung einer solchen Farbe ein Nachbild in seiner Gegenfarbe mit sich bringt.

Interessant wird es aber erst in Kombination mit weiteren Farben (im Dreamweaver-Beispiel das eigentlich gar nicht so helle Neongrün in Kombination mit einem dunkel gedeckten Blau). Hier kommt das Phänomen des sogenannten Simultankontrasts in Spiel. Er entsteht durch Erregung und Hemmung der Netzhaut. Je stärker der Unterschied zur Umgebung betont wird, umso stärker ist der aktivierende Reiz.

Ausschweifender Abstecher in zusammenhängende Gefilde: Perfekte optische Täuschungen? Checker Shadow Illusion von Professor Edward H. Adelson:

Checker Shadow Illusion

Die beiden Kästchen auf dem Schachbrett haben exakt denselben Grauwert. Wer's nicht glaubt, möge sein Bildbearbeitungsprogramm bemühen. Es führt uns deutlich vor Augen, wie träge unser Wahrnehmungsapparat arbeitet (anders herum: Diese Fehlinterpretationen sind natürlich auch ein Zeichen für die Fähigkeit, die Umwelt aus nur wenigen Informationen schnell und zuverlässig einordnen zu können). Designer, die dieses Wissen umsetzen, können extrem wirkungsvoll mit unserer Wahrnehmung spielen.

(Weitere wundervolle Adelson-Illusionen hat Meredith Talusan von der Perceptual Science Group am MIT Cambridge umgesetzt.)

Fazit

Grün ist trendy und wird uns vor allem in B2C-Sites und im New-Media-Sektor zukünftig noch viel öfter ins Auge fallen. Website-Betreiber, die diese Farbe einsetzen möchten, sollten sich jedoch genau bewusst machen, auf welchen Zug sie aufspringen. Denn so stark ein Neongrün unsere Aufmerksamkeit zu aktivieren und unseren visuellen Cortex zu stimulieren mag, umso größer ist auch die Gefahr des Me-Too-Effekts. Die User-Experience wird sich schnell an außergewöhnliche Farben und Farbkombinationen erinnern und gewöhnen. Bis zur visuellen Übersättigung ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Das kann Jahre dauern – wenn aber dann ein Corporate Design oder gar eine Corporate Identity darauf basiert, verkehrt sich der ehemalige Trend schnell ins Gegenteil.

Natürlich wird uns das Blau-Weiß-Grau-Schwarz-Programm auch in Zukunft immer wieder über den Weg laufen, da es klassisch-konservative Business-Farben sind. Im Design sind sie zeitlos und nicht mehr wegzudenken. An ihre Bedeutung werden auffällige Farben, gerade im Neonbereich, wohl niemals herankommen. Sie können lediglich Trends und somit auffällige Akzente setzen. Oder in Form eines riesigen Hulks leinwandfüllende Comebacks feiern.

Grüne Seiten

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Marcus Völkel | 07.07.03 | Usability 


 

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Ebenfalls in Grün gegründet...
... in Hoffnung auf eine positive Wirkung der Farbe auf die eigene Motivation;-)
http://www.verdammtguterkuchen.de (07.07.2003 | 23:23)

Feuer brennt grün
Marcus Völkel über die neue Trendfarbe grün --- Lesen
MetaBlog (09.07.2003 | 18:23)

Erster Relaunch ;-)
Nachdem es sich am 06.07. bereits andeutete, habe ich mich letzte Nacht mal hingesetzt und ein wenig mit der Stylesheetdatei herumgespielt sowie den Quelltext etwas verschlankt.
Kiezblo(g/ck) - Aus dem Leben eines Kiezbewohners (17.07.2003 | 5:34)


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erratika ::: Grün
...habe ich das noch verstanden, heute lese ich es interessiert: Grün als aktueller Trend im Screendesign. Und ein Webring: (Nicht politisch, sondern farblich!). Was es nicht alles gibt. 09.07.03 | Kommentieren [0] | Trackback [0] | Pingback | ...
(09.07.2003 | 2:40)

Weblog
...Völkel über die neue Trendfarbe grün --- Lesen Posted by: Thomas on Jul 09, 03 | 6:18 pm | Profile [0] comments (0 views) |  [0] Trackbacks   [0] ...
(09.07.2003 | 18:23)


Kommentare

Hallo Marcus!
In dem Bericht führst du PIXELSURGEON als grüne Seite auf... wo siehst du grün?
Ich sehe überwiegend grau.

Schönen Tag noch und schönen Gruß von
der Elbe. thorben.

schrieb am 07.07.2003 | 15:07


Hehe, erwischt ;-) Bei Pixelsurgeon hat auch am Wochenende die Relauncheria zugeschlagen; s.a. bei Jeffrey Zeldman: "Looks great, doesn't validate." Neulich waren sie noch grüner!

"Grüne" Seiten sollte auch nicht allzu wörtlich genommen werden. Damit sind Seiten gemeint, die Grün als wesentliches Element aufführen. Und: Im Falle von Pixelsurgeon sind das immerhin noch sämtliche Zitate, Überschriften und Links. Die sind mit #339999 ausgezeichnet, und das macht auf meinem Monitor ein ziemlich deutliches Grün :o)

Schöne Grüße zurück von der Spree!

schrieb am 07.07.2003 | 15:47


Das hatte ich mir fast gedacht, dass Dir das noch nicht aufgefallen war. Bei der Anzahl von verschiedenen (und wichtigen) Sites, die man im Auge behalten "muss", hat man unendlich viel zu tun -> das Problem des Internet -> Auflösung ins Unendliche.

Bis dahin. Thorben.

schrieb am 07.07.2003 | 15:53


Und dieses wunderbare Stück Text wolltest Du der Welt vorenthalten? Schande! Immerhin weiß ich jetzt, daß ich gegen den Trend schwimme, und das ist gut so.

schrieb am 07.07.2003 | 17:08


:-) Danke schön! Ich weiß gar nicht, was ich darauf antworten soll - außer dass so ein Kompliment mich unglaublich freut und motiviert. Viele Grüße nach Washington!

schrieb Marcus Völkel am 07.07.2003 | 21:03


Ein äußerst interessanter Bericht! Bin ich dem Trend doch glatt vorweg gerannt...

schrieb am 07.07.2003 | 23:44


Wirklicher interessanter Text, danke dafür.

Mir ist selber nicht so ganz klar, weshalb ich letztendlich dieses grün gewählt habe, aber ich hatte dabei auf jeden Fall "Hulk" im Hinterkopf.

schrieb am 08.07.2003 | 18:37


Ich persönlich kann's ganze Grün nicht mehr sehen; nicht weil ich farbenblind bin, sondern weils ausgeknautscht ist wie'n oller Kaugummi.

Danke für den Artikel und Gruß von Haus zu Haus ;)

schrieb am 10.07.2003 | 18:41


Huh, ja, grün ist toll am Bildschirm. Nicht umsonst waren die vielen Monochrom-Schirme früher in grün, weil angenehm. Ich muss mich jedoch dagegen verwehren, dass keiner vor 2001 die Farbe für sich entdeckte (damals war ja orange -- erinnert sich jemand an o.tel.o? -- sehr hip).

Ich bin seit 2000 als Web-Berater am Markt und habe mich damals auch für Grün entschieden (Lime, #00FF00) entschieden. Einzig die Druckerei hatte mit den Visitenkarten zu schwitzen, denn das kräftige rGb-Grün auf Papier hinzubekommen ist nicht ganz einfach. Sehr leicht sieht es nach Tannenbaum aus. Aber April & Tochter in Freiburg haben das schön hinbekommen.

schrieb am 16.07.2003 | 12:01


Mir ist eigentlich ziemlich egal, was gerade trendy ist oder nicht - oder ob's ausgelatscht ist wie ein Turnschuh - ich tu ohnehin das, was mir gefällt.
Und gerade deshalb fand ich Deinen Artikel sehr erhellend, Marcus. Ich bin fest überzeugt, das grüne dee ist bei mir schuld.

Und grüne Weblogrings finde ich einfach nur nett und ein freundliches Miteinander.

schrieb am 18.07.2003 | 18:56


MEEN Blog is ooch jrüün. ;-))
Bin ich jetzt trendy???

schrieb am 30.09.2004 | 0:30


Nein, du bist über ein Jahr zu spät ;)

schrieb am 30.09.2004 | 1:41


 

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