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Peewees Blindtext

Lorem Ipsum, die kleine Copy und die heimtückischen Werbetexter

Blindtexte wie das klassische Lorem Ipsum haben in deutschsprachigen Texten den Nachteil, dass sie die Anmutung echter Texte nicht nachbilden können. Phantasietexte sind zwar großartig und lustig zu lesen, erfüllen jedoch bestenfalls eine Platzhalterfunktion. Ein guter Blindtext ist aber nicht nur Platzhalter: In der Originalsprache erzeugt er vielmehr eine realistische Vorahnung auf das, was später live zu sehen ist. Er erlaubt ein Urteil über die Wirkung und die Lesbarkeit der kommenden Texte, wie harmonisch sie sich ins Design einfügen und ob die Laufweite und der Schriftschnitt stimmig sind. Inhalt wird ihm nicht zugestanden – aber langweilig muss er trotzdem nicht sein, wie der folgende (trotzdem sinnlose ;-) Blindtext beweist.

Es ist mein Lieblingsblindtext, der sich früher auf Peewees Website befand, die nun leider offline ist. Er wurde schon in so machen Projekten eingesetzt ;-) Den Text gab's auch auf englisch; dummerweise hatte ich ihn nie gespeichert. Wenn ihn jemand hat und ihn mir mailen könnte, würde ich mich sehr freuen!

Peewees Blindtext

Weit hinten, hinter den Wortbergen, fern der Länder Vokalien und Konsonantien leben die Blindtexte. Abgeschieden wohnen sie in Buchstabhausen an der Küste des Semantik, eines großen Sprachozeans. Ein kleines Bächlein namens Duden fließt durch ihren Ort und versorgt sie mit den nötigen Regelialien. Es ist ein paradiesmatisches Land, in dem einem gebratene Satzteile in den Mund fliegen. Nicht einmal von der allmächtigen Interpunktion werden die Blindtexte beherrscht – ein geradezu unorthographisches Leben.

Eines Tages aber beschloss eine kleine Zeile Blindtext, ihr Name war Lorem Ipsum, hinaus zu gehen in die weite Grammatik. Der große Oxmox riet ihr davon ab, da es dort wimmele von bösen Kommata, wilden Fragezeichen und hinterhältigen Semikoli, doch das Blindtextchen ließ sich nicht beirren. Es packte seine sieben Versalien, schob sich sein Initial in den Gürtel und machte sich auf den Weg.

Als es die ersten Hügel des Kursivgebirges erklommen hatte, warf es einen letzten Blick zurück auf die Skyline seiner Heimatstadt Buchstabhausen, die Headline von Alphabetdorf und die Subline seiner eigenen Straße, der Zeilengasse. Wehmütig lief ihm eine rhetorische Frage über die Wange, dann setzte es seinen Weg fort.

Unterwegs traf es eine Copy. Die Copy warnte das Blindtextchen, da, wo sie herkäme wäre sie zigmal umgeschrieben worden und alles, was von ihrem Ursprung noch übrig wäre, sei das Wort »und« und das Blindtextchen solle umkehren und wieder in sein eigenes, sicheres Land zurückkehren.

Doch alles Gutzureden konnte es nicht überzeugen, und so dauerte es nicht lange, bis ihm ein paar heimtückische Werbetexter auflauerten, es mit Longe und Parole betrunken machten und es dann in ihre Agentur schleppten, wo sie es für ihre Projekte wieder und wieder missbrauchten. Und wenn es nicht umgeschrieben wurde, dann benutzen sie es immernoch.

Peewees Blindtext

Marcus Völkel | 05.07.03 | Usability 


 

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Kommentare

Also meines Wissens gab es auch mal ein Blindtext-Buch, soweit ich mich erinnere, von Springer & Jacoby, vielleicht weiss das hier einer?
Beim Blindtext könnten Texter weitaus kreativer zur Sache gehen. Das Lorem ipsum kommt mir immer vor wie ein Bekenntnis zur Einfallslosigkeit.

schrieb am 05.07.2003 | 20:00


Ich habe den engl. PeeWee Text in eine TinyUrl gepackt: http://tinyurl.com/g3q3

Dahinter steht die (noch) gecachte Seite bei Google.

(in meinem CH*AS Wiki: http://choas.de/index.php?BlindTexte )

schrieb am 05.07.2003 | 21:43


Ja, es gab da mal ein ADC-prämiertes Blindtextbuch. Ob es von S&J war, kann ich nicht sagen - mit Sicherheit war es schick :-) Was Lorem Ipsum betrifft: Ob es ein Bekenntnis zur Einfallslosigkeit ist, möchte ich nicht sagen; es steckt ja schließlich auch eine über 500 Jahre alte Tradition dahinter. Eine Tatsache ist, dass Lipsum im Englischen eine realistischere visuelle Anmutung mit sich bringt (ein Typograf könnte sicher noch mehr dazu sagen). Dirk Latz hat sich das wohl auch gedacht und ein Blindtext-Archiv ins Netz gestellt. Blindtext-Generator inklusive.

schrieb am 05.07.2003 | 22:04


Danke, Lars! Beim Besuch in deinem Wiki (gebookmarkt) habe ich dann auch das hier entdeckt; sollte nicht unverlinkt bleiben:
http://choas.de/index.php?LoremIpsum

schrieb am 05.07.2003 | 22:09


Auf http://www.t-u-h.de/extras_blindt1.html und http://www.t-u-h.de/extras_blindt2.html sind wohl eine ganze Menge (oder alle) der Blindtextbuch Texte aufgeführt.

schrieb am 05.07.2003 | 22:13


Ich finde, die allerbesten Blindtexte findet man auf newmediadesigner.de

schrieb am 07.07.2003 | 20:18


Hallo Marco, drei Kommentare weiter oben, 5.7. um 22:04: "Dirk Latz hat sich das wohl auch gedacht und ein Blindtext-Archiv ins Netz gestellt. Blindtext-Generator inklusive." :-)

schrieb Marcus Völkel am 07.07.2003 | 20:20


Hallo Markus,

sorry, den Beitrag habe ich wohl übersehen.

Und das Buch heisst tatsächlich "Blindtextbuch"...

schrieb am 07.07.2003 | 21:04


Hi Marcus,
schau mir schon seit einiger Zeit dein Blog an und
finde ihn richtig gut. Habe gerade bei Google nach
einigen Blindtexten gesucht und habe dabei (außer
dieser Seite) auch die Seite von PeeWee entdeckt. http://www.peewee.de/Blindtext.html
Vielleicht besteht ja noch Interesse dran.

PS: Versalien sind doch eigentlich ein Tabu im Web >;].

schrieb am 28.08.2003 | 17:48


Ferit, vielen Dank für das Feedback und den Hinweis :-) Habe ich umgehend korrigiert; jetzt funktioniert der Link.

schrieb Marcus Völkel am 29.08.2003 | 17:28


Blindtext im Lied klingt dann so: http://www.blindlied.de/

schrieb am 30.04.2006 | 0:06


 

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