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Benutzerführung: Vollnavigation

Erweiterte Navigationsarchitektur: Voll verwirrend oder voll nützlich?

Dr. Web fragt gerade seine Leser: Was wäre, wenn Dr. Web eine erweiterte Vollnavigation hätte?

Über eine intelligente Benutzerführung machen sich Designer und Konzeptioner schon seit der Geburt des Webs ihre Gedanken. Mit der Zeit ändern sich nicht nur Trends, sondern auch Gewohnheiten, die User Experience.

Vor gerade mal zwei Jahren fühlte sich ein Großteil der User abgeschreckt durch zuviele Informationen in der Navigation – Verwirrung war die Folge. Usability-Mythen wie die Drei-Klicks-zur-Information-Regel oder von der Navigation, die maximal sieben Elemente beinhalten dürfe, wurden geboren und hielten Einzug in die Köpfe benutzerorientierter Webautoren. ...

VollnavigationHeute, in Zeiten von Flatrates und DSL, wissen wir, dass alles relativ ist: Wir wissen, dass User scrollen. Wir wissen, dass Besucher auch zwanzigmal klicken, wenn sie glauben oder auch nur das Gefühl haben, dass sie finden, wonach sie suchen. Wir wissen, dass Besucher Inhalte auch am Bildschirm lesen. Und wir wissen, dass Surfer auch im Internet Zugriff auf ihr Gedächtnis haben (nicht jeder heißt Boris Becker und wundert sich täglich darüber, schon drin zu sein).

Hermann Ebbinghaus lässt grüßen. Der erforschte schon 1885, dass das Kurzzeitgedächtnis ein Fassungsvermögen für etwa sieben Informationseinheiten besitzt. 1956 veröffentlichte der amerikanische Psychologe George Miller eine (Ebbinghaus bestätigende) Studie, dass sich Personen im Schnitt um die sieben Inhalte merken können. Futter für Webdesigner.

Die Ergebnisse sollen nicht angezweifelt werden. Allerdings ist es fragwürdig, sie auf das Verhalten und Rezeptionsvermögen von Web-Surfern zu projizieren, da Navigationselemente zum einen so gut wie ständig sichtbar sind und inhaltlich eine Einheit bilden – und zum anderen sich von Website zu Website immer wieder ähneln. Profil, Kontakt, Presse, Service lassen uns ganz einfach finden, wonach wir suchen.

Aber ich schweife ab. Worauf ich eigentlich in aller Kürze hinauswollte, ist die Vollnavigation, die dem Besucher die inhaltliche Tiefe des Angebots präsentiert – im Gegensatz zur reduzierten Navigation, die nur in die Breite strukturiert wird. Die Vollnavigation gruppiert viele Links und erlaubt so einen einfachen, direkten Zugriff (der gleichzeitig auch barrierefrei sein kann). Geschickt zusammengefasst (Raum ist Information) werden auf diese Weise viele Informationen in nur wenigen informativen Chunks präsentiert. Der mentale Aufwand bleibt minimal, der Zugewinn an Nutzen und Erfolg für den User ist enorm.

VollnavigationFazit: Die Vollnavigation kann auf Websites, deren Informationsgehalt stark in die Tiefe geht, einen absoluten Gewinn an Benutzerfreundlichkeit darstellen und sorgt somit nicht nur für eine positive User Experience. Sie kann darüber hinaus sehr schnell und effektiv Vertrauen aufbauen – ins Angebot und zu seinem Anbieter. So verwundert es kaum, dass heute* 72,9 Prozent von 1478 Dr. Web-Lesern diese Form der Navigation für gut befinden: »Ich finde es gut. Man hat mehr von Dr. Web«, ist vielleicht keine repräsentative, aber definitiv eindeutige Antwort.

Interessant: Nach einem Streitgespräch mit Silvana Borsutzky vor zwei Jahren kamen wir nun im Frühjahr zum selben Ergebnis. Die Konzeption der Take Off Website, die letzte Woche online gegangen ist, basiert auf eben diesem Grundgedanken: User mit einer flow-förderlichen Navigation in die Inhalte ziehen.

Nachtrag:: Da das Votum der Leser so eindeutig ausfiel, hat sich das Dr. Web-Team heute (18.06.) dazu entschlossen, die Navigation in den kompletten Webauftritt zu implementieren. Eine gute Wahl!

* Dr. Web fragte seine Leser: Was halten Sie von einer erweiterten Navigation?

1677 Leser antworteten:

73.2% Ich finde es gut. Man hat mehr von Dr. Web.
19.8% Ich finde es eher verwirrend.
3.7% Sehe keinen besonderen Unterschied.
3.3% Ich benutze die Navigation nicht.

(Stand: 18.06.2003, 16:20 Uhr)

Marcus Völkel | 17.06.03 | Usability 


 

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Kommentare

Einen herausragenden Überblick über "Navigationssysteme im World Wide Web", ihre vielfältigen Erscheinungsformen und was sie leisten müssen, bietet übrigens Martin Butz aus Köln in seinem Fachartikel.

schrieb am 17.06.2003 | 17:43


 

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